Box-Gott Oleksandr Usyk – Eine Nachbetrachtung von Ebby Thust

Der Ukrainer Oleksander Usyk gewinnt das Finale des WBSS Turniers um die Muhammad Ali Trophy mit einer sensationellen Vorstellung und deklassiert dabei den Russen Murat Gassiev.

Fotos by WBSS
Oleksandr Usyk dominiert Murat Gassiev und demonstriert Boxen vom anderen Stern

Gestern Abend standen sich, im bis auf den letzten Platz mit über 20.000 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion in Moskau, im Finale der World Boxing Super Series (WBSS) der ungeschlagene 31jährige Olympiasieger Oleksandr Usyk (15-0-0, 11 KO-Siege) aus  Kiew, Ukraine und der bis dahin ungeschlagene 24jährige russische Doppel-Weltmeister Murat Gassiev (26-1-0, 19 KO-Siege), in einem Kampf um alle vier WM-Titel der großen vier Weltverbände (WBC, WBA Super-Champ, WBO und IBF) gegenüber.

Millionen Boxfans und uneingeschränkt alle Box-Experten hatten diesen finalen Fight des WBSS-Turnieres schon im Vorfeld als den Kampf des Jahres 2018 propagandiert und viele sprachen sogar schon in noch höheren Superlativen vom anstehenden Fight der Dekade. Die Prognosen der Experten und die Quoten an den Wettschaltern der Buchmacher waren vor einem Kampf selten so gleichmäßig geteilt und ausgeglichen. In den Wettbüros wurde zuletzt sogar ein KO-Sieg von Murat Gassiev leicht favorisiert. Aber es kam ganz anders als die meisten der Boxfans und der Experten es vorausgesagt hatten. Dieser Kampf wurde nicht zu der erwarteten Schlacht von Moskau, nein – es wurde die one-man-show des Oleksander Usyk. Der Olympiasieger demonstrierte von der ersten Runde an Boxen vom anderen Stern. Mit schnellen Händen und auf noch fast schnelleren Beinen und mit einem unheimlichen Handspeed, bot der Ukrainer perfektes Boxen und demonstrierte wie man als technisch versierter Boxer gegen einen KO-Schläger boxen muss. Der als Knockouter  bekannte Gassiev, der Mann mit dem fürchterlichen one-hand-punch, hatte im gesamten Kampfverlauf auch nicht nur den Hauch einer Chance. Einzig in der 2. Runde landete Gassiev ein einziges Mal einen soliden linken Haken am Körper Usyks. Der intelligent boxende Rechtsausleger Usyk offenbarte sich als ein absolutes Ausnahmetalent und beherrschte Gassiev mit seinem steifen Jab und verteidigte sich mit Bilderbuch-Kombinationen vor Gassievs so gefürchtetem rechten Punch.

Ali Witwe, Lonnie Ali überreicht dem Gewinner des WBSS Turniers die Muhammad Ali Trophy.

Nach 12 Runden sahen alle drei Punktrichter – die beiden Amerikaner Mauro Di Fiore (119-109) und Robin Taylor (120 – 108) sowie der Belgier Philippe Verbeke (119 – 109) –  Oleksandr Usyk einstimmig als klaren Sieger dieses Kampfes. Es wat ein glänzender, eindrucksvoller und nie gefährdeter Sieg Usyks in diesem Finale des Cruisergewichts des World Boxing Super Series Turniers. Der 31-jährige Goldmedaillengewinner von London 2012, verteidigte nicht nur seinen WBC und seinen WBO Cruisergewichts-Titel und nahm Gassiev den WM-Gürtel der IBF und den WBA-Super-Champion Gürtel ab,  er gewann zudem noch den vakanten Gürtel des „The Ring“ Magazins und wurde am Ende, durch die bei diesem Kampf anwesende Lonnie Ali, der Witwe des großen Muhammad Ali, mit der Trophäe geehrt die dessen Namen trägt. Einer Auszeichnung die erstmals verliehen wurde und die schon jetzt als die höchste Auszeichnung im professionellen Boxsport gilt.

Wer anders als Oleksandr Usyk hätte diese höchste Auszeichnung verdient? Und man muss sich auch die Frage stellen: Wer will denn diesen Ausnahmeboxer, zumindest in seiner Gewichtsklasse, jemals besiegen? Noch beim Interview im Ring bot Usyk dem zweimaligen David-Haye-Bezwinger Tony Bellew an gegen ihn zu kämpfen: „Bellew hat doch angekündigt, dass er gegen den Gewinner des WBSS Turniers kämpfen möchte. Ich bin bereit für ihn.“ Und auf die Frage des Interviewers ob er denn im Cruisergewicht oder im Schwergewicht gegen Bellew antreten wolle, weil eben Bellew seine letzten Fights im Schwergewicht gemacht hat, sagte Usyk: „Wenn Bellew es nicht schafft vom Schwergewicht wieder ins Cruisergewicht abzutrainieren, dann esse ich eben noch ein paar Portionen Spaghetti und boxe mit ihm auch im Schwergewicht.“ Nach dieser Vorstellung von gestern Abend in Moskau, kann ich mir nicht vorstellen, dass Bellew gegen den Ausnahmeboxer Usyk auch nur den Hauch einer Chance hat. Um weitere spektakuläre Fights zu garantieren und auch um das ganz große Geld zu verdienen, wird Usyk wohl in naher Zukunft in die Königsklasse des Schwergewichts aufsteigen und auch hier würde er sich zumindest unter die Top 5 dieser Gewichtsklasse einreihen. Ich glaube jedenfalls, dass der uneingeschränkte Vierfach-Weltmeister im Cruisergewicht Oleksandr Usyk der Boxwelt noch viele tolle Fights schenken wird.