Die Headlines nach dem Kampf klingen martialisch: „Blutbad“, „Blutrausch“, „Blut und Eingeweide“. Nach der Mehrfach‑WM‑Titelverteidigung im Weltergewicht zwischen Lauren Price und Stephanie Piñeiro Aquino am Ostersamstag in der Utilita Arena Cardiff, Wales.
Zwei hochklassige Boxerinnen, zwei Kampfstile – und eine Punktsiegerin: Price. Das Urteil ist einstimmig: 98‑92, 99‑91, 98‑92. Der „Stolz von Wales“ behält damit die Gürtelsammlung, bleibt Weltmeisterin nach den Versionen der WBA, WBC, IBF und IBO sowie Trägerin des Ring‑Magazine‑Gürtels.
Fürwahr, es war eine „Materialschlacht.“ Price und Piñeiro haben in dem Zehn‑Runden‑Gefecht physisch und mental alles aufgeboten, sich komplett verausgabt. Und: Einen weiteren Schlagabtausch gab es auch direkt nach dem Fight im Seilgeviert – ein Wortduell mit der „GWOAT“, also Claressa Shields. Dazu gleich.
Showdown der Rechtsauslegerinnen
Zunächst zum blutigen Showdown der beiden Rechtsauslegerinnen: Sofort nach dem ersten Gong schaltet Piñeiro in den Vorwärtsgang. Die Pflichtherausforderin übernimmt die Ringmitte und arbeitet mit ihrem rechten Jab. Price ist beweglich auf den Beinen, um ihre Kontrahentin auf Distanz zu halten. Das gelingt.
Runde zwei: Die Lokalmatadorin drückt punktuell aufs Tempo, ihre Schnelligkeit blitzt förmlich auf. Mit sauberen Kombinationen – meist Jab‑Cross oder Jab‑Cross‑Hook – setzt sie Akzente, punktet. Rasch wird klar: Eine virtuose Technikerin ist hier am Werk.
Gong zur dritten Runde: Price behält das Heft in der Hand, erzielt Wirkungstreffer. Die Folge: Piñeiros rechtes Auge schwillt an, sie taumelt kurz. Die Puerto‑Ricanerin will sich nichts anmerken lassen, marschiert aggressiv nach vorn, erhöht den Druck mit hoher Schlagfrequenz. Viel Zählbares kommt dabei nicht heraus, Price kontert, bleibt kontrolliert. Dann, in Runde fünf: ein Head Clash. Aus Prices Mund rinnt Blut, ein tiefer Cut am Zahnfleisch. Piñeiro wittert ihre Chance, ballert aus allen Rohren. Price hält stand. Nicht nur das, mit Beginn der zweiten Kampfhälfte geht die Waliserin demonstrativ in die Offensive – unerschrocken und blutüberströmt.
In der siebten und achten Runde hält Piñeiro das Tempo hoch, sucht den Infight. Bisweilen mit Erfolg: ein Cut am rechten Auge von Price. Dennoch ist die Heimboxerin flink unterwegs, agiert technisch weiter versiert und variabel, boxt ihre Gegnerin klassisch aus – und führt auf den Punktezetteln deutlich. Ähnliches Bild in der Vorschlussrunde.
Dann die letzten drei Minuten: Piñeiro geht nun volles Risiko, attackiert, aber ohne Price stellen zu können, ohne sie in die Bredouille zu bringen. Im Gegenteil, Price behält bei den Exchanges die Übersicht und landet die letzten Treffer im Gefecht – im blutdurchtränkten Dress.
Energieleistung und Ringintelligenz
Das Resümee: Eine Energieleistung von beiden. Aber: Die technisch präzise und taktisch clevere Boxerin – sprich: Price mit ihrer Ringintelligenz – hat den temporeichen, knallharten Fight für sich entscheiden können. Zu Recht. Sicher, Piñeiro bringt physische Pluspunkte mit, agiert druckvoll und verfügt über spürbare Schlagkraft sowie einen Reichweitenvorteil. Nur, das hat unter dem Strich nicht gereicht – nicht diesmal.
Pound‑for‑Pound‑Fight Price gegen Shields?
Und nun? Ein Pound‑for‑Pound‑Fight? Price gegen Shields? Vielleicht. Als Price glücklich, aber gezeichnet vom Kampf dastand, tritt Shields ins Seilquadrat – die Olympialegende und ungeschlagene Weltmeisterin verschiedener Gewichtsklassen. Was folgt, ist ein Face‑off – höflich, aber bestimmt. Kein Trash‑Talk. Beide sagen, was alle in der Arena hören wollen: Lass uns kämpfen! Der Mega‑Fight muss kommen. Aber im Mittel‑, nicht im Weltergewicht, fordert Shields. Price schlägt einen Doppel-Deal vor, Hinkampf in den USA, Rückkampf in Wales. „The Greatest Woman Of All Time“ soll zugestimmt, eingeschlagen haben, sagt Price. Nun denn: „Let’s do it!“














