Sie hatte es angekündigt: Ein großer Titel-Fight stehe an, „im Mai in Österreich“, zitierte die Augsburger Allgemeine Cheyenne „Pepper“ Hanson (17-2-0, 13 KOs) jüngst. Seit Dienstag ist klar: Die Boxerin mit der auffallend pinkfarbenen Mähne wird am 30. Mai in den Ring steigen. Aber nicht in der Alpenrepublik, dafür im County Coliseum in El Paso, Texas, USA. Ihre Gegnerin steht gleichfalls fest: Amanda Serrano (48-4-1, 31 KOs). „The Real Deal“ wird ihre WM-Titel im Federgewicht verteidigen, ihren WBA- und WBO-Gürtel.
Herausforderin im Trainingscamp in London
Veranstalter ist die Most Valuable Promotions (MVP), die Agentur von Jake Paul und Nakisa Bidarian, die speziell dem Profiboxen von Frauen eine Plattform gibt. Mehr noch – MVPW-03, die dritte Veranstaltung dieser Serie – ist ein Double-Main-Event. Nach Serrano gegen Hanson folgt der Rückkampf zwischen Stephanie Han (12-0, 3 KOs) und Holly Holm (34-3-3, 9 KOs) um die WBA-WM im Leichtgewicht – zehn Runden à drei Minuten.
Fraglos, für die 28-Jährige aus Bayerisch-Schwaben ist es das Highlight ihrer bisherigen Laufbahn. Und erst vor wenigen Tagen unterschrieb Hanson bei MVP – und schon der sportliche Big-Deal. „Ich bin wirklich aufgeregt und dankbar für diesen Kampf“, wurde die MVP-Debütantin am Dienstag in einer Mitteilung zitiert. „Es bedeutet mir viel, Deutschland auf dieser Bühne zu vertreten.“
Das Trainingscamp werde hart, aber sie sei voll fokussiert. Sie absolviert ihre Einheiten in London im Neasden Boxing Club – dem Gym von Xavier Miller, einst Coach von Dillian Whyte und Derek Chisora. Ein idealer Ort, zumal das Training dort auf einem ungleich höheren Niveau sei als anderswo in Europa, betont die Herausforderin. Beste Voraussetzung also, um ein Ausrufezeichen zu setzen.
Verletzungsmisere überstanden und „fit wie nie zuvor“
Nach einigen Fragezeichen. Denn zwischendurch lief es für „Pepper“ gar nicht gut: Zwangspause. Mehrmals. Der Grund: Mittelhandbrüche. Nach Sparring und Training 2023 sowie nach ihrem WBF-WM-Sieg im Bantamgewicht 2024. Die Schlaghand als Achillesferse – allemal ein Problem für eine Druckboxerin, die die Offensive bevorzugt.
Die Handicaps seien abgehakt, sagte Hanson gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Sie habe sich Zeit genommen, die Verletzungen auszukurieren und wieder ins Training einzusteigen. „Ich will mich damit auch nicht mehr beschäftigen.“ Das würde sie mental nur aufhalten.
Und dass sie wieder im Wettkampfmodus ist, hat Hanson am Frauentag, 8. März, im bosnischen Brcko unter Beweis gestellt. Technischer Knockout in Runde sechs gegen die Nummer zwei aus Kolumbien, Flor Rodriguez (9-2-0, 6 KOs). „Ich bin wieder fit – vielleicht so fit wie noch nie.“ Mehr noch, die Normalauslegerin hat sich trotz der Verletzungsmisere nach vorne geboxt – und ist aktuell bei der WBA auf Platz sechs gerankt, bei der WBO sogar auf vier. Kurzum, Hanson hat sich einen Fight um die WM-Krone eines der vier großen Verbände verdient. Redlich.
Serrano will Allzeit-KO-Rekord einstellen
Das findet wohl auch Serrano – und spricht respektvoll über ihre Kontrahentin in spe. Sie wisse, Hanson werde anreisen, um zu gewinnen. „Sie hat KO-Power.“ Nichtsdestotrotz verfolgt das Aushängeschild im Frauenboxen eine eigene Agenda: Serrano will den Allzeit-KO-Rekord von Christy Martin einstellen, der liegt bei 32 Knockouts. Und die sportliche Durststrecke bei der siebenfachen Weltmeisterin in sieben Gewichtsklassen scheint nach den beiden bitteren, knappen Pleiten gegen Dauerrivalin Katie Taylor im Halbweltergewicht (November 2024, Juli 2025) vorbei. Spätestens mit ihrem WBO-Titelsieg im Januar gegen Reina Tellez (13-1-1, 5 KOs) – in ihrem Paradelimit Federgewicht.
Kann Hanson ein Überraschungscoup gelingen?
Wie stehen Hansons Chancen? Sie bringt Energie, Schlagkraft und Ausdauer mit – Attribute, die sie schon mehrfach ausgezeichnet haben. Doch reicht das, um gegen eine der GWOAT, gegen eine der erfahrensten und gefährlichsten Boxerinnen ihrer Ära, einen Überraschungscoup zu landen? Unwahrscheinlich – aber keineswegs ausgeschlossen. Hanson ist physisch im Peak, während Serrano mit ihren 37 Jahren womöglich bereits in der Post-Prime angekommen ist.
Wie auch immer, Serranos Zukunft ist klar: Nach ihrer Karriere bleibt sie bei MVP – hauptverantwortlich für die Frauenboxsparte, Talente sichten, verpflichten, vermarkten. Oder: sportlich Großes schaffen.














