Bewährungsprobe bestanden: Munguia mit vorzeitigem Sieg über O’Sullivan

Fotos: Golden Boy Promotions Twitter/Instagram

Im Alamodome in San Antonio bestritt Jamie Munguia in der vergangenen Nacht seinen ersten Kampf im Mittelgewicht. Dabei bezwang er den zähen Gary O’Sullivan durch TKO in Runde 11. Im zweiten Hauptkampf entthronte Alejandra Jimenez die Doppelweltmeisterin Franchon Crews-Dezurn und erkämpfte sich die WBC- und WBO-Gürtel im Supermittelgewicht.

Jaime Munguia feiert erfolgreichen Einstand in neuer Gewichtsklasse

Mit einem TKO-Sieg in Runde 11 über den tapfer kämpfenden Gary O’Sullivan (30(21)-4-0) untermauerte Jaime Munguia (35(28)-0-0) in der Nacht von Samstag auf Sonntag seine Ambitionen, sich auch im Mittelgewicht zum Weltmeister zu krönen. Im Vergleich zu seinen bisherigen Kämpfen zeigte sich der ehemalige WBO-Champion im Halbmittelgewicht boxerisch deutlich verbessert. Jedoch vermochte er es nicht, sein taktisches Konzept über die gesamte Kampfdistanz durchzuziehen.

In der Auftaktrunde zeigte „Spike“ O’Sullivan seinen gewohnten Stil. Aus einer kompakten Doppeldeckung heraus versuchte er sich an seinen Kontrahenten heranzuschieben, um am Mann harte Hände unterzubringen. Munguia überraschte dagegen mit boxerischer Finesse. Der Mexikaner agierte zumeist aus dem Rückwärtsgang und versuchte seinen Jab zu etablieren. Zudem zeigte er gute Pendelbewegungen und schlug nicht bedingungslos hart, sondern in erster Linie schnell und explosiv. Bereits zum Ende der ersten Runde hatte er mit dieser Taktik Erfolg, als er mit einem harten linken Kopfhaken Wirkung bei seinem Gegner erzielen konnte. Auch im zweiten Durchgang konnte Munguia seinen Gegner ausboxen, obgleich O’Sullivan ihn kurz vor Rundenende mit einer harten rechten Schlaghand durchrüttelte.

Im dritten Durchgang verfiel Munguia dann wieder in gewohnte Muster. Der Mexikaner stand nun Fuß an Fuß mit dem kleineren O’Sullivan und ließ sich auf wilde Schlagabtäusche ein. In einem starken Endspurt konnte Munguia seinen Kontrahenten kurzzeitig in Bedrängnis bringen. Dabei setzte der 22-Jährige jedoch zu ungestüm nach und kassierte mit der Ringglocke eine harte Rechte zum Kinn, die ihn in seine Ecke taumeln ließ.

In den Folgerunden fand der beständig nach vorne marschierende O’Sullivan ein wenig besser in den Kampf. Der Ire ließ jedoch etwas Aktivität vermissen und verharrte zu lange statisch in der Schlagdistanz von Munguia. Jener überzeugte insbesondere, wenn er mit dem Jab arbeitete, um seine explosiv vorgetragenen Aktionen vorzubereiten. Darüber hinaus konnte Munguia immer wieder mit seinem linken Haken harte Körpertreffer verbuchen. In einigen Aktionen zielte er jedoch zu tief, sodass er sich in der sechsten Runde einen Punktabzug einhandelte.

O’Sullivan geht die Luft aus – Handtuch fliegt in Runde 11

Ab dem siebten Durchgang offenbarte O’Sullivan zunehmende Ermüdungserscheinungen. Nach einem starken Zwischenspurt von Munguia musste der 35-Jährige in der siebten Runde erstmals zu Boden. Ringrichter Mark Calo-Oy wertete die Aktion aber korrekterweise als unabsichtlichen Tiefschlag. Spätestens aber der neunten Runde wurde die Überlegenheit von Munguia jedoch immer deutlicher. Wann immer der Mexikaner seine Kombinationen mit dem Jab vorbereite, landete er klare und harte Treffer.

O’Sullivan zeigte enormes Kämpferherz und konnte Munguia in einigen Situationen für dessen Unachtsamkeiten bestrafen. Insgesamt wirkte er aber immer müder und mitgenommener. Nachdem er in der zehnten Runde auch noch einen Cut am linken Auge erlitt, überlegte seine Ecke bereits, den Kampf abzubrechen. Der tapfere O’Sullivan stellte sich zwar noch einmal dem mittlerweile aussichtlosen Kampf, musste jedoch auch im elften Durchgang harte Hände nehmen. Schließlich deckte Munguia ihn am Ringseil mit klaren Treffern ein. Noch bevor der Ire zu Boden sank, warf seine Ecke das Handtuch.

Der zufriedene Jaime Munguia forderte im Anschluss seines Sieges Kämpfe gegen Canelo, Golovkin und die Charlo-Brüder. Um in diesen Begegnungen bestehen zu können, wird er sein gezeigtes boxerisches Potential wohl über die gesamte Kampfdauer abrufen müssen.

Jimenez bezwingt Crews-Dezurn nach spektakulärer Ringschlacht

Im zweiten Hauptkampf der von Golden Boy Promotions ausgerichteten Veranstaltung konnte sich Alejandra Jimenez (13(9)-0-1) zur WBC- und WBO-Weltmeisterin im Supermittelgewicht krönen. Nach einem tempo- und trefferreichen Gefecht setzte sich die Mexikanerin mit einer geteilten Punktentscheidung gegen die Titelverteidigerin Franchon Crews-Dezurn (6(2)-2-0) durch.

Die neue Weltmeisterin Alejandra Jimenez

Während Jimenez durch Aktivität und permanenten Vorwärtsdrang überzeugte, wirkte Crews-Dezurn technisch ausgereifter und landete die klareren Treffer. Dies spiegelt sich auch in der offiziellen Schlagstatistik wieder. Während Jimenez bei 642 Schlägen 152 Treffer verbuchen konnte (Trefferquote 24%), traf Crews-Dezurn bei „nur“ 548 Schlägen starke 197 mal das Ziel (Trefferquote 36%).

Somit waren die Runden zumeist sehr eng und schwer zu werten. Dies erklärt auch das etwas kontrovers wirkende Punkturteil. Während Ed Pearson sich mit 97:93 für Crews-Dezurn entschied, sahen seine Kollegen Glen Rick Crocker und Juan Ocampo die Herausforderin Alejandra Jimenez klar mit 97:93 sowie 98:92 vorn. Aufgrund dieses Ausgangs erscheint ein Rematch nicht nur aufgrund des äußerst zuschauerfreundlichen Kampfes wünschenswert.

Bewährungsprobe bestanden: Munguia mit vorzeitigem Sieg über O’Sullivan
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