
Foto: Team SES / U. Koch
Bei der SES-Veranstaltung in Chemnitz erfolgt ein kontroverser Punktsieg für Artur Reis. Die polnische Seite erstattet daraufhin eine Beschwerde.
Es hätte ein toller Boxabend im Kraftverkehr werden sollen, als SES zum inzwischen dritten Mal in Chemnitz veranstaltete. Neben guten Amateurkämpfen standen die beiden WBO-Europameisterschaften im Mittelpunkt des Abends. Insbesondere der hochklassige Hauptkampf um den WBO-Titel im Halbschwergewicht erschien dabei im Vorfeld mehr als reizvoll.
Der Pole Mateusz Tryc (16-3) sicherte sich zuvor die WBO-Europameisterschaft mit einem krachenden vorzeitigen Sieg über den renommierten Nick Hannig (14-2-1) in Potsdam und kam nun als Titelträger nach Deutschland zurück, um sich dem starken Artur Reis (16-1) zu stellen. Allen Beteiligten war im Vorfeld bewusst, dass dies eine knifflige und vermutlich maximal harte Aufgabe für Reis werden würde. Am Ende wurde jedoch – wie so häufig im Boxen – kaum noch über den Kampf selbst gesprochen, sondern nur noch über ein fragwürdiges Urteil.
Polnische Seite sieht sich klar betrogen

Foto: Team SES / M. Meier
Im Kampf selbst zeigte sich Reis in den ersten beiden Runden diszipliniert, verlor dann jedoch die boxerische Linie und war fortan der schwächere Mann. Dennoch führte dies am Ende zu einem geteilten Punktsieg und damit zum Titelgewinn – sehr zur Verwunderung aller Anwesenden. Zahlreiche Zuschauer in Chemnitz begleiteten das Urteil mit Pfiffen, Siegesstimmung kam nicht mehr auf.
Ein enttäuschtes polnisches Team sah sich betrogen und trat mit gesenkten Köpfen – aber auch mit Wut im Bauch – die Rückreise an. Tryc ließ verkünden, dass sein Vertrag mit SES ausgelaufen sei und man vermutlich deshalb unbedingt den Titel im eigenen Stall halten wollte. Ungeachtet solcher Spekulationen kann man festhalten, dass er um seinen verdienten Sieg gebracht wurde.
Die Aufregung war insbesondere auf polnischer Seite groß. So äußerte sich der bekannte polnische Promoter und KSW-Announcer Mateusz Borek sehr deutlich in den sozialen Netzwerken und bezeichnete das Punkturteil als eine Schande; die entsprechenden Punktrichter nannte er Diebe.
Zudem äußerte Borek eine weit verbreitete Kritik, die vielen Beobachtern des deutschen Boxsports schon lange aufgefallen ist:
„Das ist ein Skandal. Dieser Diebstahl muss beim Namen genannt werden. Es kann doch nicht sein, dass man in Deutschland nie einen Kampf gewinnen kann, wenn man seinen Gegner nicht K. o. schlägt.“
Kontroverse Punkturteile gehören zum Tagesgeschäft im Profiboxen
Ein einmaliger Ausrutscher, ein seltenes Fehlurteil? Wohl kaum. Zur Wahrheit gehört nämlich, dass Fehlurteile praktisch zum Tagesgeschäft im Profiboxsport gehören. Häufig fällt dies nur nicht so auf, weil es auf Kleinveranstaltungen geschieht – fernab großer Berichterstattung. Wer sich beispielsweise vor einigen Tagen den Kampf von Anja Moskil gegen Ester Konecna in Köln angeschaut hat, der muss förmlich vom Stuhl gefallen sein, als zwei Punktrichter Moskil den Sieg zusprachen.
Es interessiert dann schlichtweg kaum jemanden, vermutlich schon aus Gewohnheit. Man denkt sich: Eine Dame aus Tschechien hat schon 34 Niederlagen, was macht da eine 35. noch aus? Doch das ist nicht richtig. So etwas darf nicht vorkommen – tut es aber leider viel zu häufig. Jeder Sportler bereitet sich auf eine Aufgabe vor, investiert viel im Ring und möchte selbstverständlich auch im Ausland gerecht behandelt werden. Stellen wir uns vor, ein deutscher Athlet reist ins Ausland, bezwingt tatsächlich einmal als B-Side den favorisierten Heimkämpfer und wird dennoch mit einer Punktniederlage lächelnd nach Hause geschickt. Jeder würde sich aufregen – also sollte man auch Gäste und B-Sides hierzulande nicht benachteiligen.
Offizielle Schritte nach fragwürdigem Urteil in Chemnitz eingeleitet
Die polnische Seite hat nun in Persona von Hubert Migaczew offiziell Beschwerde beim BDB sowie beim Weltverband WBO eingereicht. Überprüft werden soll, ob das Punkturteil den Bewertungsstandards entspricht.
„Im Zusammenhang mit zahlreichen Medienberichten über den Europameisterschaftskampf – darunter der Artikel des deutschen Portals BILD, aber auch weiterer deutscher und polnischer Medien – möchten wir mitteilen, dass das Team von Mateusz Tryc offizielle Schritte zur Überprüfung der Wertungsrichter eingeleitet hat.
Die Punkteeinflüsse – insbesondere eine der offiziellen Punktkarten – weichen deutlich vom tatsächlichen Verlauf des Kampfes ab und sind im Profiboxen auf Meisterschaftsniveau nicht akzeptabel. Eine solche Diskrepanz untergräbt das Vertrauen in den Bewertungsprozess und gefährdet die Glaubwürdigkeit des Sports.
Mateusz Tryc boxte sauber, konsequent und unter vollständiger Kontrolle. Seine Treffer – darunter zahlreiche klare Schläge zum Kinn und seine deutliche Überlegenheit in der ersten Kampfhälfte – sind sowohl in der Videoaufzeichnung als auch in verschiedenen Medienanalysen, Expertenkommentaren, Presseberichten und Fanreaktionen eindeutig zu erkennen.
Wir erwarten, dass die zuständigen Institutionen, darunter die WBO sowie der BDB, eine erneute Analyse durchführen und geeignete Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass die Bewertungsstandards den Prinzipien von Fairness, Transparenz und sportlicher Integrität entsprechen.“
Auch die deutsche Seite kritisierte das Punkturteil deutlich

Team SES / M. Meier
Neben der erbosten polnischen Seite gab es selbstverständlich auch Reaktionen aus Deutschland. Hierbei zeigten sich alle Beteiligten sehr verständnisvoll und offen. SES-Promoter Ulf Steinforth äußerte sich klar nach dem fragwürdigen Urteil: „Artur Reis war für mich nicht der Sieger in diesem intensiven Kampf!“
Auch Reis-Trainer Dirk Dzemski versuchte das Urteil nicht schönzureden: „Ich hatte das Gefühl, dass Artur sehr glücklich gewonnen hat und habe mich direkt nach der Urteilsverkündung bei Mateusz und dessen Trainer entschuldigt.“
Dennoch nahm Dzemski seinen Boxer auch in Schutz: „Schimpft bitte nicht mit Artur, denn er hat sein Bestes gegeben und kann nichts für das Urteil. Er ist mit seiner Leistung auch nicht zufrieden.“
Ein Rematch wäre sicherlich eine angemessene Geste
Nun steht ein schmeichelhafter Punktsieg für Artur Reis in den Büchern, und es bleibt fraglich, ob der Protest bezüglich der Wertung überhaupt einen Einfluss haben wird. Zu selten hatte solch ein Schritt in der Vergangenheit echte Auswirkungen. Von daher bleibt zweifelhaft, ob sich hier etwas ändern wird.
Stattdessen sollte man über ein direktes Rematch nachdenken. Der Pole Tryc war Titelverteidiger, hat die WBO-Europameisterschaft nun höchstumstritten verloren. Es wäre angebracht, wenn Tryc die sofortige Gelegenheit auf ein Rematch erhielte. SES-Promoter Ulf Steinforth hat dies bereits in Aussicht gestellt.
Was bleibt, sind leider regelmäßig fragwürdige Punkturteile im Boxen – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Dazu muss erwähnt werden, dass die Aufgabe, einen Kampf über 8, 10 oder gar 12 Runden zu werten, nicht einfach ist. Die Punktrichter pauschal an den Pranger zu stellen, wäre nicht fair. Doch am Ende haben Punktrichter einen enormen Stellenwert im Boxen: Sie entscheiden über Sieg und Niederlage, über Karrieren und über die Glaubwürdigkeit des Sports. Wenn Zuschauer das Gefühl haben, dass Sportler aus dem Ausland klar benachteiligt werden, wenden sie sich ab. Und das kann nicht im Interesse irgendeines Beteiligten sein.















Gewonnen hat für mich definitiv der Pole. Hatte es am Ende 97-92. Daran gibt es für mich nichts zu rütteln. Schon unentschieden wäre schmeichelhaft gewesen.
Aber sauber geboxt, so wie im
Riegel erwähn, hat Tryc nicht. Man denke nur den Versuch von Reis nach der Ansage vom
Ref sauber zu boxen, ein Touch Gloves machen wollte und tryc einfach weiterschlug. Er hat auch öfter gehalten und geschlagen.
Reis war einmal unsauber mit dem Kopf.
Das die Polen Beschwerde einlegen ist richtig und nachvollziehbar.
Ich denke Reis ist an sich selbst gescheitert in dem
Kampf. Er schien weder mental noch physisch / konditionell auf der Höhe zu sein.
Reis hat viel geklammert,den Arm von Tryc eingeklemmt&sich oft weggedreht.Er hat auch unsauber geboxt,und klar verloren!
Abdrehen würde ich nicht als unsauber bezeichnen.
Aber können Sie gern so sehen lieber Uwe.
Bzgl. der Niederlage habe ich auch nicht widersprochen, ganz im Gegenteil. Aber scheinen Sie wohl überlesen zu haben.
Oder Ihnen war der Text zu lang.
Ihnen eine gute Zeit lieber Uwe.
Da fühlt sich der Uwe aber angegriffen.
Der oben schreibt doch das R. verloren hat.
Also chill dein Leben.
Immer die Schärfe die manche Leute reinbringen.
Zum kotzen.
Wie kann man bei einer Europameisterschaft, dem Duell um den Europameister – Titel zwei von 3 Punktrichtern eines Landes zum Einsatz bringen, die aus dem gleichen Land stammen, wie einer der Kämpfer…..?!
Wenn ich mich recht erinnere, war stammte der einzige der 3 Punktrichter, der richtig lag
aus Italien (und nicht aus der Kämpfernation)
Dieses Verschaukeln von nichtdeutschen Boxern im Kampf mit hiesigen Kämpfern hat eine lange Tradition.
Es wurden auch schon deutsche Boxer Zuhause verschaukelt: z. B. Markus Beyer im ersten Kampf gegen Cristian Sanavia oder Dariusz Michalczewsky gegen Julio Cesar Gonzalez und Oktay Urkal gegen Vivian Harris.
Absolut richtig.
ich finde es einfach nur beschämend so zu werten.leider ist es ja nicht das erste Mal.Hoffen wir daß sich das ändert.
Schade das die Polen die auch so fair bei Heimurteilen zu Gunsten ihrer Boxer wären; wie bei den Betrügereinen auf den Punktzetteln bei Wlodarczyk gegen Gevor, Culcay-Keth gegen Sulecki oder den ersten Kampf von Zaveck gegen Jackiewicz sowie Cunngham – Wlodarczyk I…
Die sind nach Dänemark, Spanien und Frankreich, die schlimmsten in Europa (wobei Adyn – Ion in der Türkei auch sehr schlimm war). in Deutschland waren die meisten Heimurteile im Frauenboxen, besonders Ragosina gegen Achjeng (wo im ersten Kampf die Russin eigentlich nur in die Luft geschlagen hat und ihre Herausforderin 4m entfernt stand).
Die Unsportlichkeit zum Kampfausgang zeigt uns wiedermal die Unerfahrenheit , die mit der beinah ältesten und sensibelsten Sportart ,,den boxsport“ umgehen. Hier fehlt ne ganze Menge Erfahrung und Feingefühle, um einen Athleten zu einem Titelkampf in den Ring zu schicken. Und wenn dann letztlich nach dem Kampf das Urteil UNFAIR verkündet wird, können wir mitansehen wie diese schöne Sportart in Deutschland immer schneller den Bach runter rutscht.