Auf Heiligabend: Ike Ibeabuchi kassiert die erste Profiniederlage

Musste sich erstmalig in der Karriere geschlagen geben: Ike Ibeabuchi.

„The President“ unterliegt mit 52 Jahren nach Punkten in einem Titelkampf in Lagos, Nigeria. Das Comeback droht gescheitert zu sein.

Der Boxsport schreibt immer wieder kuriose Geschichten, darunter auch vermehrt über geglückte oder erfolglose Comebacks. Eines davon war zweifellos das Comeback von Ike Ibeabuchi (21-1), der sich im Alter von 52 Jahren noch einmal in den Ring begab. Ibeabuchi galt in den Neunzigern als ein gefürchtetes Schwergewicht, das kurz vor einer WM-Chance stand. Mit seinem Kampf gegen David Tua setzte er im Juni 1997 neue Maßstäbe im Schwergewicht: Beide Männer lieferten mit 1.730 abgefeuerten Schlägen einen Rekord in der Gewichtsklasse, der noch viele Jahre Bestand haben sollte.

Zum ganz großen Durchbruch sollte es für Ibeabuchi jedoch nie ausreichen. Er geriet regelmäßig mit dem Gesetz in Konflikt, entwickelte psychische Probleme und galt als Pulverfass. Anstatt um eine Weltmeisterschaft zu kämpfen, musste er schließlich für viele Jahre ins Gefängnis, wurde später aus den USA abgeschoben und konnte seit seinem furiosen Sieg über Chris Byrd im März 1999 keine weiteren Kämpfe mehr bestreiten.

Über Comebacks wurde jedoch wiederholt gesprochen. Im Gefängnis hielt sich Ibeabuchi konstant fit und peilte stets eine Rückkehr an. Im August dieses Jahres sollte es dann tatsächlich in Erfüllung gehen: Ibeabuchi kämpfte in Lagos und gewann gegen Idris Afinni seinen ersten Kampf seit 1999. Nun sollte an Heiligabend der zweite Sieg folgen, doch der Kampfsport ist kein Wunschkonzert.

Titelkampf in Lagos über 12 Runden

An Heiligabend fand im Teslim Balogun Stadium in Lagos ein Boxevent statt, das im PPV auf PrizeFightingTV lief. Dort bestritt Ibeabuchi den Hauptkampf gegen Kabiru Towolawi (27-16), ein 45-jähriges Cruisergewicht, das auf dem Papier nicht unschlagbar erschien. Der Kampf war über zwölf Runden angesetzt, da es sich um eine „Weltmeisterschaft“ in der Version der WBB handelte – einer Organisation, von der man vermutlich zuvor noch nie gehört hatte. Spätestens in dieser Konstellation war klar, dass man an Heiligabend einen 52-Jährigen um eine dubiose Weltmeisterschaft im teuren PPV verfolgen musste!

Gesagt, getan – und die wenigen Zuschauer bekamen tatsächlich einen Titelkampf geboten. Towolawi agierte ziemlich clever aus dem Rückwärtsgang, erschien durchaus leichtfüßig und punktete konstant mit dem Jab. Ibeabuchi wirkte dagegen schwerfällig, lief viel hinterher, hatte jedoch die härteren Powerpunches auf seiner Seite. Immer mal wieder schlug eine rechte Overhand ein, die Eindruck hinterließ. Towolawi reagierte häufig mit dem Clinch, wenn ein Treffer saß.

So war der Kampf nicht einfach zu werten. Zwar war Towolawi boxerisch sicherlich besser unterwegs, agierte dabei jedoch etwas negativ und entwickelte zu selten wirklichen Offensivdrang. Ibeabuchi punktete hingegen insgesamt zu selten und konnte – mit wenigen Ausnahmen in Runde 8 und 9 – nie wirklich konstanten Druck erzeugen.

Erste Profiniederlage für Ibeabuchi nach über 30 Jahren

Kabiru Towolawi schockt Ike Ibeabuchi und gewinnt einstimmig nach Punkten.
Credits: PrizeFightingTV

Nach einer guten Phase in den angesprochenen Runden wirkte Ibeabuchi in den Championship-Rounds auch konditionell angeschlagen und konnte nicht mehr entscheidend nachsetzen. So ging der Titelkampf der beiden Oldies über die volle Distanz von zwölf Runden, und Towolawi ließ sich umgehend feiern, da er sich des Sieges sicher war. So sahen es auch die Punktrichter, die Towolawi schließlich einen einstimmigen Punktsieg mit 115-113, 115-114 und 117-111 zusprachen.

Damit verlor Ibeabuchi seinen ersten Profikampf nach über 30 Jahren. Dies warf ihn auch auf BoxRec automatisch deutlich zurück – von den Top 200 in die Top 500. Sollten tatsächlich ambitionierte Comeback-Pläne bestanden haben, so hat sich durch diese Punktniederlage nun vieles ins Negative gewendet.

Das vollständige Event wurde im PPV auf PrizeFightingTV für 30 US-Dollar übertragen. Leider bat der Anbieter um den Verzicht auf Videoaufzeichnungen, weshalb diesem Wunsch nach Absprache entsprochen wurde.

4.4/5 - (15 votes)

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein