Arthur Abraham dominiert Robin Krasniqi

Arthur Abraham siegt ueber Robin Krasniqi
Foto Copyright: Sebastian Heger (https://www.facebook.com/photoheger/)

Eine Nachbetrachtung von Ebby Thust

Endlich Mal wieder ein ausverkauftes Haus in Erfurt. Der 37jährige Arthur Abraham hat seinem nicht anwesenden Promoter Kalle Sauerland und seinem Manager Wilfried Sauerland aufgezeigt, dass er noch kein Abschreibeobjekt ist. 

Vor über 6.000 Zuschauern in der ausverkauften Erfurter Messehalle dominierte und deklassierte Arthur Abraham (46-5-0), den einige Insider schon zum „alten Eisen“ gelegt und abgeschrieben hatten, in einem teils hochklassigen Kampf seinen Gegner, den 30jährigen SES Boxer Robin Krasniqi (46-5-0) klar und einstimmig nach Punkten. Es war für König Arthur schon im Vorfeld klar dass es für ihn in diesem Kampf um Alles oder Nichts gehen würde. Mit einer Niederlage gegen Robin Krasniqi wäre Abraham nicht mehr als Hauptkämpfer zu vermarkten gewesen und von einer Weltmeisterschaft hätte dann auch wohl sicher niemand mehr geredet.

Vor dem Kampf hörte Man die verschiedensten Prognosen: Die am meisten vertretende Vorhersage war die, dass entweder Arthur Abraham in der ersten Hälfte des Kampfes nur durch KO gewinnen könnte und dass je länger der Kampf dauert, Krasniqis Chancen steigen würden. Die meisten Experten waren sich darüber klar, dass – wenn der Kampf über die Runden ginge – dann der Sieger nur der jüngere und frischere Robin Krasniqi heißen könne. Doch es kam alles ganz anders. Abraham begann ruhig und überlegend, suchte sofort die Ringmitte, die er dann auch den ganzen Kampf über behauptete. Krasniqi dagegen tanzte zwar auf schnellen Beinen, aber doch ziemlich nervös um Abraham herum und konnte aber keine Treffer landen, da gleich von Beginn an Abrahams Doppeldeckung „stand“.  Wenn jeder der beiden Boxer mit einen Pedometer (einen Schrittzähler) verbunden gewesen wäre, dann hätte Man am Ende der 12. Runden feststellen können, dass Krasniqi mindestens doppelt so viel Meter als Abraham im Ring gelaufen ist. Diese Tatsache brachte aber Krasniqi keinen Vorteil ein sondern zeigte nur das schlaue Boxen von King Arthur auf, der fast 12 Runden lang nur aus der Ringmitte agierte und auch den Kampf dirgierte. Nachdem man die ersten beiden Runden Abraham geben konnte,  gingen die dritte und vierte Runde knapp an Krasniqi. Ab der 5. Runde schien Arthur Abraham einen Gang hoch zu schalten und glänzte mit beidhändigen Aktionen und brachte dabei einmal sogar Krasniqi gehörig ins Wackeln. Ab dieser 5. Runde ging jede weitere Runde klar an den Sauerland Schützling. In der 10. Runde wurde die Dominanz Abrahams so stark, dass man meinen könnte er schaffe doch noch den vorzeitigen Sieg, aber Ktasniqi überstand auch diese Runde tapfer. Ab der Mitte des Kampfes zeigte auch Arthur schon mit seiner Körpersprache wie er vor Selbstbewusstsein strotzte und es war nicht der sieben Jahre ältere Abraham der abbaute oder dem die Luft ausging, sondern es war eher Krasniqi der von Runde zu Runde kraftloser wurde, zwar noch immer mit guter Kondition, aber seine Schläge, auch wenn diese fast alle nur auf die Deckung von Abraham gingen, wurden scheinbar immer kraftloser. 

Am Ende stand ein einstimmiger Punktsieg für Arthur Abraham. Die Punktrichter werteten den Kampf mit 118:110, 117:111 und 115:114. Auch ich hatte den Kampf mit 118:110 für Arthur Abraham gewertet, auch die 117:111 Wertung ist noch zu vertreten, während die Punktwertung des italienischen Punktrichters mit 115:114 eher einem programmierten Betrugsversuch gleich kam, denn hätte Arthur die letzte Runde abgegeben, dann hätte Krasniqi bei diesem Italiener den Kampf gewonnen. Der Mann sollte auf jeden Fall Mal ganz schnell einen Optiker aufsuchen.

Felix Sturm vs. Arthur Abraham – Der Kampf den die Fans sehen möchten

Fazit dieses Kampfes: König Arthur ist wieder zurück und es winken ihm noch einige große Zahltage. Offiziell ist nun Arthur Abraham durch diesen Sieg die Nr. 1 bei der WBO und damit der nächste offizielle Herausforderer von Gilberto Ramirez, dem Mann der ihm genau vor einem Jahr in Las Vegas in einem einseitigen Kampf seinen WBO Titel abgenommen hatte. Ramirez hat in den heutigen Morgenstunden im StubHub Center in Carson, Kalifornien, erfolgreich seine erste Titelverteidigung absolviert, indem er seinen Herausforderer den Ukrainer Max Bursak einstimmig und überaus klar mit 120:106 Punkten besiegte. Aber es gibt sicherlich auch noch andere interessante Kampfansetzungen für Arthur Abraham, die bestimmt auch noch einfacher und real optimistischer für ihn ausgehen könnten als ein Rückkampf gegen Ramirez. Das Management des deutschen Ex-Weltmeister Felix Sturm hat schon erkennen lassen, dass Man dortseits einem innerdeutschen Duell der beiden Ex-Weltmeister nicht abgeneigt wäre. Bei diesem Kampf wäre sicherlich für Abraham eine viel höhere Börse zu vereinnahmen als wenn er als Herausforderer gegen Ramirez um den WBO Titel kämpfen würde. Dieser Kampf wäre auch sicher den TV-Partner der beiden deutschen Boxer SAT1 lieber als ein WM Kampf, der dann vielleicht sogar noch in den USA stattfinden wird und nach deutscher Zeit um 4:00 Uhr morgens im TV übertragen werden würde. Abraham vs. Sturm würde mindestens die doppelte Einschaltquote wie Abraham vs. Ramirez garantieren. 

Und da wäre auch noch ein möglicher Kampf zwischen Arthur Abraham und dem derzeit einzigen deutschen Weltmeister Tyron Zeuge möglich. Auch diese Begegnung würde die Herzen der SAT1 Verantwortlichen höher schlagen lassen, denn auch hier wäre sicher eine viel höhere Einschaltquote garantiert als bei Zeuges letzten Kampf auf SAT1 gegen den Nigrianer Isaac Ekpo.

Es darf also spekuliert werden: King Arthur Abraham ist, wenn auch im Herbst seiner Karriere, wieder voll im Geschäft.

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