Artems schwerster Kampf gegen die Punktrichter

Artem Harutyunyan Facebook

Artem Harutyunyan hat dem Deutschen Boxsport-Verband (DBV) nach 12 Jahren endlich die erste olympische Medaille beschert. Allerdings kann Artem diese Medaille noch veredeln. Im Halbfinale des olympischen Box-Turniers trifft unser deutscher Halbweltergewichtler am Freitag (19.45 Uhr MESZ) nun auf den Boxer aus Aserbaidschan: Lorenzo Sotomayor Collazo.

Am Freitag muss Artem Harutyunyan gegen den Boxer aus Aserbaidschan ran

Müssen wir uns nach den schweren Betrugsvorwürfen des irischen Boxers Michael Conlans an die Adresse der AIBA nun auch Gedanken machen, dass die Ost-Boxer von den AIBA-Punktrichtern übervorteilt werden? Im Kampf des Iren Michael Conlan gegen den Russen Wladimir Nikitin werteten die Punktrichter den Kampf einstimmig für den Russen, obwohl nach Ansicht der Zuschauer in der Halle und auch unzähliger Box-Experten der Ire diesen Kampf klar gewonnen hatte. Michael Colan zeigte daraufhin noch im Ring der AIBA den „Stinkefinger“ und sagte dazu: „Ihr seid verdammte Bastarde!“ (Boxen1 berichtet darüber).

Gab es Manipulationen durch die AIBA bereits im Vorfeld?

Schon wiederholt wurden bei internationalen Turnieren die Boxer aus den östlichen Ländern von den Punktrichtern bevorzugt. Insbesondere scheinen allerdings hier die Boxer aus Aserbaidschan in der Gunst der Punktrichter zu stehen. So wurde unter anderem bei der letzten Olympiade im Jahre 2012 in London öffentlich, dass Aserbaidschan im Gegenzug für die Gewährung eines Kredits in Höhe von zehn Millionen US-Dollar an die AIBA von AIBA Präsident Dr. Wu zwei olympische Medaillen versprochen worden waren.

Nach einer internen Untersuchung bestritt die AIBA allerdings damals alle Beschuldigungen. Dennoch kam es im Verlauf der Spiele in London zu mehreren mehr als umstrittenen Urteilen: So wurde der Aserbaidschaner Magomed Abdulhamidov nach seinem Kampf gegen den Japaner Satoshi Shimizu zum Sieger erklärt, obwohl ihn sein Gegner sechsmal zu Boden geschlagen hatte und er aus eigener Kraft den Ring nicht verlassen konnte. Gemäß diesem „Versprechen“ gewannen dann allerdings auch die beiden Boxer aus Aserbaidschan Teymur Memmedov und Magomedrasul Majidov auch jeweils eine olympische Bronze-Medaille in London.

So warnte schon kurz vor Beginn der Spiele in Rio die britische Tageszeitung The Guardian, dass es sehr wahrscheinlich sei, dass mehrere hohe Funktionäre der AIBA intern dazu angehalten seien Boxkämpfe in Rio zu manipulieren. Es seien Beeinflussungen sowohl bei den Auslosungen als auch bei der Bewertung der Kämpfe zu erwarten.

Einer der hochrangigen Informanten behauptete, dass sich eine Gruppe von Funktionären und Punktrichtern vor Wettkämpfen träfen, um Manipulationen abzusprechen. Auch sei bei wichtigen Wettkämpfen die Auslosungskommission angewiesen worden, ausgewählte Punktrichter bestimmte Kämpfe bewerten zu lassen. Mit diesen Manipulationen sollten Länder begünstigt werden, welche die höchst kostspieligen Wettbewerbe der AIBA ausrichten und finanzieren.

So soll etwa Venezuela die Ausrichtung der Olympischen Qualifikationswettkämpfe im Juli dieses Jahres 450.000 US-Dollar gekostet haben. Im Gegenzug hätten sich dank Manipulationen vier der sechs angetretenen venezolanischen Boxer für Olympia in Rio qualifizieren können. Gestützt werden die Behauptungen der Informanten durch die Aussagen des irischen Punktrichters Seamus Kelly, der behauptet, man habe ihn während der Panarabischen Spiele in Doha dazu zu bringen versucht, einen Kampf falsch zu bewerten.

So fand auch das Welt-Olympia-Qualifikationsturnier vor knapp drei Monaten in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku statt, was schon rein geographisch sehr fragwürdig ist und der aserbaidschanische Präsident zahlte mal wieder alles. Boxen1 berichtet schon einmal sehr kritisch über „Boxen und das Regime in Aserbaidschan.“ Auch „schenkte“ der aserbaidschanische Präsident Ilham Heyder Aliyev der AIBA vor einigen Jahren ein Multi-Millionen teueres Boxsportzentrum und rein zufällig ist auch der aserbaidschanische Präsident noch in Personalunion der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Aserbaidschans. Zudem sitzt im exekutiven Komitee der AIBA mit Suleyman Mikayilov ein Mann aus Aserbaidschan.

Bleibt zu hoffen, dass unser Artem Harutyunyan am kommenden Freitag in Rio nur den Boxer aus Aserbaidschan zum Gegner hat und nicht auch noch die AIBA-Punktrichter.

Und hier einmal ein Videobeweis wie der Boxer aus Ascherbaidschan bei der letzen Olympiade 2012 in London von dem Punktrichter schon fast zum Sieg „gezwungen“ wurde und von den Punktrichtern den Sieg zugesprochen bekam. Das Übelste was es jemals im Boxsport gab: Der Ringrichter war der Einzige in der Halle, der im Kampf des Japaners Satoshi Shimizu gegen den Aserbaidschaner Magomed Abdulhamidov am Ende nach Punkten vorne gesehen hatte. Unter dem kollektiven Aufschrei der Zuschauer in der Halle erklärten dann die Punktrichter den Aserbaidschaner zum Sieger und das nachdem Abdulhamidov von seinem Gegner zuvor insgesamt sechsmal zu Boden geschickt worden war und den Ring nur mit Hilfe seiner Betreuer verlassen konnte. Während des Kampfes musste der neutrale Beobachter voller Mitleid mit ansehen, wie der hoffnungslos unterlegene Aserbaidschaner auf dem Boden umher krabbelte und sich an Shimizus Beinen festzuhalten versuchte, um weiteren Schlägen zu entgehen. Bei der Urteilsverkündung konnte er kaum noch auf den Beinen stehen.

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