Firat Arslan, Manuel Charr und Karo Murat siegreich in Göppingen

firat-arslan-nuri-seferiDeutschlands „Box-Oldie“ Firat Arslan kann es immernoch! In Göppingen siegte der 45-jährige Cruisergewichtler gegen Nuri Seferi. Auch Manuel Charr und Karo Murat siegten. Letzterer lieferte den Fight des Abends.

WM-Traum: Firat Arslan will es nochmal wissen

Firat Arslan – Es gibt oder gab wohl kaum einen deutschen Boxer, der noch im stolzen Alter von 45 Jahren seinen Körper tagtäglich schändet, um noch einmal sein Großes Ziel zu erreichen: einen WM-Kampf. An einem großen Boxabend in der EWS Arena in Göppingen, konnte Arslan seinem Traum nun einen Schritt näher kommen.

seferi-arslanDer ebenfalls aus der Nähe von Göppingen stammende Firat Arslan bekam es vergangenen Abend mit dem 39-jährigen Nuri Seferi zu tun. Zwar startete Seferi zu Beginn besser in den Kampf, jedoch konnte Arslan schon aber der zweiten Runde Wirkungstreffer landen. Seferi versuchte zudem sein Gegenüber mit hängender Deckung des Öfteren zu provizieren, doch Arslan konnte stets einen kühlen Kopf bewahren und seinen Gegner in Schach halten.

Nach 12 harten Runden, in denen sich beide Boxer nichts schenkten, siegte Arslan einstimmig nach Punkten. Nun darf er sich WBO-Europameister im Cruisergewicht nennen. Mit Hilfe des Titels könnte Arslan nun eine erneute Chance auf einen WM-Kampf gegen Marco Huck winken.

Manuel Charr siegt über 13 Kilo leichteren Sefer Seferi

Auch der „Koloss von Köln“ Manuel Charr stieg in Göppingen in den Ring. Gegner war der Bruder von Nuri Seferi: Sefer Seferi, welcher eigentlich ebenfalls wie sein Bruder auch, aus dem Cruisergewicht kommt.

Seferi war bis zum gestrigen Abend ungeschlagen. Charr, welcher mit 13 kg mehr und einer besseren Reichweite und auch Körpergröße ausgestattet war, bedrängte Seferi über die gesamte Distanz im Vorwärtsgang und konnte zudem gute Treffer landen. Kurz vor Schluss des WBA International Titelkampfes, verließen Seferi dann zunehmend die Kräfte, was fast zu einem Kampfabbruch führte.

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Letztendlich konnte Charr das Duell für sich nach Punkten entscheiden und ist seinem WM-Ziel einen Schritt näher: „Nach meiner Schussverletzung im vergangenen Jahr hatten die Ärzte prophezeit, dass ich nie wieder boxen kann. Gott hat entschieden, dass es doch geht. Nun will ich einen erneuten Kampf um die WM-Krone im Schwergewicht.“

Karo Murat liefert Kampf des Abends

Der Berliner Ex-Sauerland Boxer Karo Murat, welcher bereits mit Box-Legende Bernard Hopkins im Ring stand, lieferte sich mit Yevgeni Makhteinenko den Kampf des Abends. Murat schickte seinen Kontrahenten ganze drei mal zu Boden. Der harte Ukrainer fand jedoch immer wieder in den Kampf zurück und bot Murat Paroli. Das Resultat war eine Ringschlacht, zur Freude des Publikums.

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In der letzten Runde dann deckte Karo Murat, welcher sichtlich am Ende seiner Kräfte war, seinen Gegner mit Schlägen so heftig ein, dass der Referee den Kampf nach 2:46 Minuten in der letzten Runde abbrechen musste. Karo Murat sichert sich damit erneut einen Titel, welcher ihn zu einem erneuten WM-Kampf verhelfen könnte: den WBA International Gürtel. Karo Murat und auch ein großer Teil der deutschen Fans wünschen sich nun einen Fight gegen Jürgen Brähmer, der nun jedoch zunächst am 1. Oktober gegen Nathan Cleverly in den Ring steigt.

„Ein toller Kampf. Wir würden auch Jürgen Brähmer als WBA-Weltmeister als Gegner nicht ablehnen.“

„La Sombra“ – ein Schatten seiner selbst?

Den wohl schlechtesten Kampf, so unangenehm das auch zu schreiben ist, lieferte an diesem Abend der Exil-Kubaner Odlanier Solis, Kampfname „La Sombra“ – der Schatten. Solis, der erst am 4. August bei einer Veranstaltung von Erol Ceylan wieder im Ring stand, scheint nicht einmal mehr im entferntesten der zu sein, der er einmal war.

odlanier-solis-aleksandar-todorovicDer Ex-Klitschko Herausforderer und ehemalige Olympia Goldmedaillen-Gewinner, boxte gegen den auf Platz 471 gerankten Schweden Aleksandar Todorovic (8-9(5)-1, 7 KOs). Zwar „bestimmte“ Solis den Kampf, jedoch nicht mit den boxerischen Mitteln, welche ihm einst zur Verfügung standen. Immer wieder gelang es seinem Kontrahenten sich den Attacken des Kubaners mit schnellen Beinen zu entziehen. Solis hingegen tapste regelrecht durch den Ring. Zwar sah man in den Ansätzen, dass Solis einst ein großartiger Boxer war, gezeigt hat er davon jedoch nichts. Am Ende reichte es dennoch für einen knappen Sieg nach Punkten.

Es bleibt ihm zu wünschen, dass er sich nochmal so richtig motivieren kann, um erneut etwas sportliche Größe zu erreichen. Neben seiner körperlichen Verfassung, ist vor allem sein behäbiges Agieren im Ring das derzeit größte Manko des einstigen Weltklasse Boxers. Auch Erol Ceylan zeigte sich enttäuscht über seinen neuen Mann: „Der Kampf von Solis hat mich doch etwas enttäuscht. Diesen Gegner muss man deutlicher beherrschen. Solis braucht jetzt Kämpfe um wieder Praxis zu bekommen“, erklärte Erol Ceylan.

Fatih Keles erfolgreich

Über den Auftritt seiner Nachwuchshoffnung Fatih Keles durfte sich der Hamburger Boxpromoter freuen. Der Halbweltergewichtler deckte seinen Gegner Pavel Mozga mit Schlagserien ein. Der Tscheche wehrte sich zwar tapfer, doch in der dritten Runde konnte er sich dem Schlaghagel nicht mehr entziehen, ging zu Boden und wurde vom Ringrichter aus dem ungleich gewordenen Kampf genommen. „Auf Fatih Keles, der bei den Amateuren zu Europameister-Ehren gelangte und an den Olympischen Spielen 2012 teilnahm, können wir in der Zukunft bauen. Mit ihm haben wir noch viel vor“, sagte Ceylan.

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„Die Kampfe waren sehenswert, eine Werbung für den Boxsport. Göppingen ist ein gutes Pflaster. Wir werden wieder hier veranstalten“, versprach Erol Ceylan. Der donnernde Applaus der Boxfans für alle Protagonisten des Abends, zeigte dass der Box-Event gefallen hatte.

Fotos: ECB