Armin Ajrulai-Interview: „das wird wirklich eine geile Schlacht!“

Boxen: Universum Boxing Night #12, Köln, 11.05.2024
Armin Ajrulai (GER) – Nodar Robakidze (GEO)
© Torsten Helmke

Armin Ajrulai steht am Samstag vor dem bislang größten Kampf seiner Karriere beim GBS FightClub in Köln und gibt sich gegen Simon Zachenhuber siegessicher.

Es sind nur noch wenige Tage bis zum zweiten FightClub-Event der aufstrebenden German Boxing Series. Am Samstag werden in Deutschland Rekordtemperaturen erwartet – ebenso hitzig dürfte es jedoch im Ring der Straßenkicker BASE von Lukas Podolski in Köln zugehen.

Die Witterungsbedingungen stellen dabei durchaus eine große Herausforderung dar. Die Veranstalter arbeiten daher akribisch an einem Kühlungskonzept. Dass die Sicherheit von Zuschauern und Boxern oberste Priorität genießt und man dafür auch kurzfristig hohe Kosten in Kauf nimmt, dürfte selbstverständlich sein.

Wie so häufig präsentiert die German Boxing Series eine umfangreiche Fightcard mit zahlreichen interessanten Kämpfen sowie einem Profiboxturnier. Im Mittelpunkt des Abends steht jedoch das Supermittelgewichtsduell zwischen Deutschlands Nummer 1 der Gewichtsklasse, Simon Zachenhuber (28-1), und Armin Ajrulai (10-2).

Zachenhuber kommt aus einer bitteren Niederlage in London und möchte sich mit einem Pflichtsieg für weitere internationale Aufgaben empfehlen. Doch der Abend soll nach den Vorstellungen seines Herausforderers Armin Ajrulai gehören.

Der Boxer aus Neuss kämpfte bislang fernab der Weltspitze, glaubte jedoch stets an sich. Selbst eine Gehirnblutung konnte ihn nicht davon abhalten, seinen Traum vom Boxsport weiterzuverfolgen – obwohl er zeitweise um sein Leben kämpfte. Woher er seine Leidenschaft für den Sport nimmt und weshalb er überzeugt ist, am Samstag in Köln für die große Überraschung sorgen zu können, verriet er Boxen1 exklusiv im Interview.

Das große Boxen1-Interview mit Armin Ajrulai

Hallo Armin, am Samstag bestreitest du den Hauptkampf in Köln. Wie geht es dir?

Armin Ajrulai: Mir geht es gut, ich bin sehr gut vorbereitet. Jetzt kann kommen, was wolle – wir sind ready! Auf diesen Tag habe ich gewartet.

Fühlst du dich besonders motiviert oder angespannt vor diesem Kampf?

Wenn ich es mit anderen Kämpfen vergleiche, dann fühle ich mich fokussierter und besser vorbereitet denn je. Diesen Kampf nehme ich noch einmal ganz anders wahr und ernst.

Wie kamst du eigentlich zum Boxen? Was war deine Motivation?

Ich habe mit 13 meine Haare durch kreisrunden Haarausfall verloren und wurde dann gemobbt, teilweise auch in der Schule. Dann habe ich mich halt mit den Leuten geprügelt, die mich gemobbt haben – oder die versucht haben, mich zu mobben. Da wurde ganz schnell klar, dass mir das Kämpfen liegt, weil ich sie alle umgehauen habe. Sodass meine Lehrerin dann meinte: „Ja, Armin, geh doch mal zum Boxen.“

Dann hat sogar ein Gym in meiner Nähe aufgemacht. Da bin ich hingegangen und das Boxen hat mich von dem Schlechten weggeholt. Es hat mich selbstbewusst gemacht und ab da hat mich keiner mehr gemobbt.

Du kämpfst am Samstag das Main Event bei der German Boxing Series, die insbesondere in Nordrhein-Westfalen einen sehr guten Ruf genießt. Wie sehr freut es dich, auf so einem Event zu kämpfen?

Es freut mich sehr. Wie du selbst schon sagst, die sind sehr professionell. Die machen nur gute Kämpfe, haben ein gutes Publikum und man hört nichts Schlechtes. Ich kenne auch die Jungs, Ruben und Jens, das sind sehr gute Jungs. Die geben Gas und bringen den Boxsport voran – deswegen freue ich mich, dort zu kämpfen.

Ich will nicht einfach nur dabei sein, ich will den Sieg holen

Boxen: Legacy Boxing, Crossover Fight Night, Waage, Oberhausen, 13.10.2023
Armin Ajrulai (GER) – Gabor Gorbics (BUL)
© Torsten Helmke

Du boxt gegen Simon Zachenhuber, die aktuelle deutsche Nummer eins im Supermittelgewicht. Wie bedeutsam ist dieser Kampf für dich?

Das bedeutet mir sehr viel, weil sich mein Leben verändert, wenn ich den gewinne – ganz einfach gesagt. Deswegen bin ich gespannt, was das für ein schöner Abend wird. Wie gesagt, ich kann da nicht als Verlierer rausgehen, ich kann nur gewinnen. Aber ich will nicht einfach nur dabei sein, ich will den Sieg holen – und das kann ich auch. Deshalb haben wir den Kampf angenommen.

Wenn du Simon als Boxer einschätzen müsstest: Was zeichnet ihn aus und wo siehst du vielleicht Verbesserungspotenzial?

Was Simon auszeichnet, ist einfach seine Linie. Er zieht seine Linie durch, das lange Boxen. Er hat also ein strategisch gutes Boxen. Er ist ja nicht einfach so auf Platz eins in Deutschland.

Aber es gibt auch viele andere Sachen, die man als Profi braucht. Das Dreckige, den Infight. Das Kämpfen einfach – nicht nur das Boxen, sondern das Kämpfen, was du bei den Profis brauchst. Man kann international mal schauen: Die besten Profis sind nicht unbedingt die saubersten Boxer. Man muss sich auch mal hier und da mit anderen Tricks helfen.

Wie gesagt, er kann gut sauber und lang boxen, aber Infight und das Aggressive fehlen ihm. Und ein bisschen die harte Power fehlt ihm, glaube ich. Aber sonst ist er ein guter Boxer, der Simon. Sonst wäre er nicht die Nummer eins.

Würdest du sagen, dass der Infight und das etwas dreckige Boxen mit den wuchtigen Schlägen dich auszeichnen?

Ja, genau. Ich werde den in tiefe Gewässer ziehen. Ich werde nicht mit ihm mitboxen, sondern ihm meinen Boxstil aufzwingen. Das wird dann halt eine Triggerei. Das mag er auch nicht, das weiß man. Mit den harten Händen werde ich ihn auch überraschen.

Wie wichtig wird die Kondition werden? Die Temperaturen werden enorm hoch sein. Simon gilt als Modellathlet, der schon viele Runden gegangen ist. Du hingegen warst noch nicht so oft in solchen Bereichen. Wie wichtig wird das werden?

Der Simon ist schon über die Distanz gegangen. Ich bin maximal sechs Runden gegangen. Er ist auch, glaube ich, schon zehn Runden gegangen, er kennt das schon – ich nicht. Aber wir haben im Sparring nun häufiger zehn Runden gemacht, immer mit verschiedenen Leuten, die reingekommen sind. Und ich finde, meine Ausdauer ist für diesen Kampf die beste, die ich je hatte. Also ich werde das auch schaffen.

Du hast Coach Anil an deiner Seite, der ebenfalls einen großen Hype genießt. Wie sehr kann er den Unterschied ausmachen und als X-Faktor fungieren?

Er kann sehr viel bei mir ausmachen, weil er zugleich mein bester Freund ist. Wir kennen uns schon sehr lange. Er kennt mich in- und auswendig. Er weiß, wie er mit mir reden muss. Er weiß alles über mich und geht sehr stark auf meine mentale Stärke und meine Psyche ein. Das heißt, er kann das Duell sogar im Kampf noch verändern, sobald er mich einmal richtig wachrüttelt, anschreit und sagt: „Armin, so und so machen wir das jetzt.“

Er kann den Kampf in den späteren Runden jederzeit noch verändern, weil er große Auswirkungen auf mich hat.

Er geht sehr individuell auf die Boxer ein. Hat er mich, dann weiß er sofort, wie er mit mir reden muss

Boxen: Universum Boxing Night #12, Köln, 11.05.2024
Armin Ajrulai (GER) – Nodar Robakidze (GEO)
© Torsten Helmke

Was würdest du sagen, macht ihn als Coach – neben der persönlichen Ebene – besonders aus?

Er geht sehr individuell auf die Boxer ein. Hat er mich, dann weiß er sofort, wie er mit mir reden muss. Man kann nicht mit jedem Boxer das Gleiche machen. Er hat einfach dieses Fingerspitzengefühl.

Du hast eine bewegte Vergangenheit und musstest nach einem Kampf um dein Leben kämpfen. Wie fühlte sich das damals an?

Ja, ich war ein junger Kerl und gerade dabei, meine Profikarriere aufzubauen. Da habe ich auch gegen einen jungen Kerl geboxt, der genauso umgeschlagen war wie ich. Wir haben uns da geprügelt, aber ich hatte mir die Hirnblutung schon vor dem Kampf zugezogen. Ich bin also mit der Hirnblutung in den Kampf gegangen, ohne das zu wissen.

Als ich dann verloren habe und im Krankenhaus aufgewacht bin, war meine erste Frage: „Warum habe ich verloren?“ Ab diesem Tag lief vieles falsch bei mir, weil ich erst einmal nicht boxen durfte. Da bin ich wieder abgerutscht und in ein Loch gefallen. Habe Scheiße gebaut und bin wieder dick geworden.

Boxen hat mir immer Halt gegeben und mich vom Schlechten weggehalten. Aber 2022 habe ich mein Comeback gemacht und bin wieder da. Und ich bin immer noch erst bei fünf bis zehn Prozent und habe noch nicht mein ganzes Können herausgeholt.

Viele Boxer hätten nach diesem Schicksalsschlag vermutlich sofort aufgehört. Warum stand das für dich nie zur Disposition?

Ich habe zunächst abgewartet, was der Doktor sagt. Hätte er gesagt: „Armin, das wird nichts mehr“, dann hätte ich es sofort gelassen. Im Endeffekt ist meine Gesundheit viel wichtiger als das Boxen.

Aber der Doktor meinte, viele Menschen hätten Hirnblutungen. Manche bekommen das auch – sorry, wenn ich das so sage – beim Scheißen. Wenn sie verheilt ist, kann man theoretisch wieder boxen.

Hat sich für dich seitdem etwas verändert? Lässt du vor Kämpfen jetzt häufiger Screenings oder Untersuchungen machen?

Ja, ich lasse meinen Kopf jetzt öfter untersuchen. Letztens auch wieder, da war alles gut. Es ist auch gut für mich. Weil es einmal passiert ist, lasse ich mich jetzt viel häufiger durchchecken.

Du hast im Boxsport schon viele Höhen und Tiefen erlebt. Was kannst du jungen Boxern mitgeben, die gerade an sich zweifeln?

Das Wichtigste im Boxen ist einfach, hart dranzubleiben. Konsequent dranzubleiben und nicht abzurutschen. Man muss sich entscheiden: entweder das Boxen oder das Partyleben – beides gleichzeitig funktioniert nicht.

Viele Leute denken, Boxen sei einfach. Man geht in den Ring und prügelt sich. Aber da gehört so viel mehr dazu. Guck mal, ich bin gerade am Gewichtmachen und am Abkacken. Ich könnte gerade Menschen auffressen. Die Leute wissen gar nicht, was man alles machen muss. Deshalb sollte man sich entweder ganz darauf konzentrieren oder es nur als Hobby machen. Halbherzig zu boxen und sich dann prügeln zu gehen, ist sehr gefährlich. Man spielt mit seinem Leben.

Letzte Frage: Warum sollte jeder Boxfan am Samstag deinen Kampf verfolgen? Was dürfen sie nicht verpassen?

Das wird einer der geilsten Kämpfe, die wir momentan in Deutschland haben. Das soll nicht arrogant klingen, aber das wird wirklich eine geile Schlacht – eine geile Prügelei. Und ich freue mich, endlich mein Können zu beweisen. Ich will es mir selbst beweisen, weil ich weiß, was ich eigentlich kann.

Kostenlose Übertragung auf YouTube

GBS FightClub-Fightcard: Zachenhuber vs. Ajrulai

Der Kampf zwischen Armin Ajrulai und Simon Zachenhuber findet am Samstag beim zweiten FightClub-Event der German Boxing Series in Köln statt. Insgesamt erwartet die Zuschauer eine hochklassige Fightcard mit zwölf sehenswerten Profikämpfen. Darüber hinaus wird erneut ein Profiboxturnier im Superweltergewicht ausgetragen, das zusätzliche Spannung verspricht.

Die regulären Tickets für die BASE Köln waren erneut innerhalb weniger Minuten vergriffen. Für Kurzentschlossene hat die German Boxing Series noch ein kleines Zusatzkontingent an VIP-Tickets inklusive Catering für 240 Euro freigegeben.

Alternativ können die Kämpfe bequem über den kostenlosen Livestream auf YouTube verfolgt werden. Die Übertragung beginnt am Samstag um 16:30 Uhr.

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