An seinem Geburtstag: George Chuvalo im Alter von 89 Jahren gestorben

George Chuvalo, einer der härtesten Schwergewichtler der Boxgeschichte, ist tot. Der frühere fünffache kanadische Meister starb am 12. September, ausgerechnet an seinem 89. Geburtstag. In Erinnerung bleibt vor allem ein Mann, der selbst gegen Muhammad Ali, Joe Frazier und George Foreman niemals zu Boden ging.

Der Mann, den selbst die größten Puncher nicht fällen konnten

George Chuvalos Karriere war geprägt von einer außergewöhnlichen Widerstandsfähigkeit. In 93 Profikämpfen brachte es der Kanadier auf eine Bilanz von 73-18-2 mit 64 KO-Siegen. Dabei stand er mit einem Großteil der bedeutendsten Schwergewichtler seiner Generation im Ring.

Joe Frazier, George Foreman, Floyd Patterson, Ernie Terrell, Jimmy Ellis, Zora Folley, Oscar Bonavena und Buster Mathis gehörten zu seinen Gegnern. Chuvalo musste zahlreiche harte Treffer einstecken, wurde während seiner gesamten Profikarriere jedoch nie niedergeschlagen.

Und Chuvalo konnte selbst kräftig austeilen. Jerry Quarry, Yvon Durelle und Doug Jones besiegte er vorzeitig, Cleveland Williams nach Punkten. Besonders eng verbunden bleibt sein Name allerdings mit Muhammad Ali.

Zweimal über die volle Distanz gegen Muhammad Ali

1966 erhielt Chuvalo kurzfristig die Chance auf den Schwergewichts-WM-Titel. Gerade einmal 17 Tage Vorbereitungszeit blieben ihm für den Kampf gegen Ali. Dennoch hielt der Kanadier über die kompletten (damals noch) 15 Runden durch. Chuvalo versuchte immer wieder, Ali mit Schlägen zum Körper zuzusetzen. Zwar verlor er nach Punkten, doch seine Widerstandsfähigkeit beeindruckte selbst den Weltmeister.

Ali bezeichnete Chuvalo später mehrfach als einen der härtesten Gegner, denen er je gegenübergestanden hatte. Chuvalo selbst betrachtete jene Version von Ali als den besten Boxer, gegen den er jemals angetreten war. Ganz ohne Kritik blieb der Champion aus seiner Sicht allerdings nicht. Vor allem Alis Tiefschutz sorgte bei ihm für Verwunderung.

„Er saß weit über dem Gürtel“, erinnerte sich Chuvalo später. „Ich weiß noch, wie ich bei der Vorstellung vor dem Kampf dachte, das sieht aus wie Elmer Fudd gegen Bugs Bunny, dessen Ohren oben aus der Hose herausragen.“

Sechs Jahre später trafen beide erneut aufeinander. Auch 1972 schaffte es Chuvalo über die gesamte Distanz und verlor nach zwölf Runden nach Punkten.

Vom Zehnjährigen im Kirchenring zum kanadischen Boxidol

Chuvalo wurde in Toronto als Sohn kroatischer Einwanderer geboren. Seine enorme körperliche Robustheit führte er später selbst auf seine Eltern zurück.

Seine Mutter arbeitete stundenlang beim Rupfen von Hühnern, sein Vater enthäutete in einem Schlachthof Rinder mit bloßen Händen. Dabei war einer seiner Arme nach einem früheren Bruch dauerhaft beeinträchtigt.

Schon im Alter von zehn Jahren bestritt Chuvalo seinen ersten organisierten Kampf in einer örtlichen Kirche. Seine Eltern unterstützten seinen Weg in den Boxsport, auch wenn seine Mutter die Kämpfe ihres Sohnes kaum ertragen konnte.

„Sie gingen zu meinen Kämpfen“, erzählte Chuvalo 2011. „Aber meine Mutter schaute nicht hin, weil sie es nicht ertragen konnte. Sie saß neben meinem Vater und fragte ihn, was passierte. Aber selbst hinsehen konnte sie nicht.“

Aus dem Jungen aus Toronto wurde schließlich einer der bekanntesten Sportler Kanadas.

Bis 1978 blieb Chuvalo aktiv. Im Alter von 41 Jahren beendete er seine Laufbahn, nachdem von ihm verlangt worden war, seinen kanadischen Titel gegen Trevor Berbick in dessen Wahlheimat zu verteidigen. Chuvalo wollte den Kampf stattdessen in Toronto austragen und verabschiedete sich schließlich vom aktiven Boxsport.

Schwere Schicksalsschläge nach der Karriere

Auch nach seinem Rücktritt blieb Chuvalo dem Boxen verbunden. Zeitweise arbeitete er als Schauspieler, zudem trainierte er den späteren Schwergewichtsstar Donovan „Razor“ Ruddock.

Nach Chuvalos Erinnerungen wurde Ruddock einst aus einem Sparring mit dem damaligen Weltmeister Larry Holmes geschickt, weil er den für seinen Jab bekannten Champion im Training selbst mit der Führhand dominierte. Später trennten sich die Wege von Chuvalo und Ruddock.

Doch die schwierigsten Kämpfe seines Lebens fanden außerhalb des Rings statt: Drei seiner Söhne starben an den Folgen von Drogenüberdosierungen. Seine erste Ehefrau nahm sich das Leben. Chuvalo verarbeitete diese persönlichen Katastrophen, indem er später Schulen besuchte und Jugendliche eindringlich vor den Gefahren von Drogen warnte.

Diese Aufgabe wurde zu einem wichtigen Bestandteil seines Lebens nach dem Boxsport.

Die späten Folgen einer außergewöhnlichen Karriere

Lange Zeit schien Chuvalo trotz seiner zahlreichen Ringschlachten von schweren gesundheitlichen Folgen verschont geblieben zu sein. Er galt noch Jahre nach seiner Karriere als schlagfertiger Erzähler, humorvoller Gesprächspartner und gefragter Redner.

Doch die mehr als zwei Jahrzehnte im Profiboxen hinterließen letztlich Spuren. 2018 wurde bei Chuvalo eine nachlassende geistige Leistungsfähigkeit festgestellt. Vier Jahre später wurde eine fortgeschrittene Demenzerkrankung bestätigt. Schon 2011 hatte er sich mit den möglichen Spätfolgen des Boxsports beschäftigt.

„Ich glaube nicht, dass ich an Demenz leide. Zumindest noch nicht“, sagte Chuvalo damals. „Aber es bringt einen zum Nachdenken. Viele Boxer sind eine Zeit lang völlig in Ordnung und dann geht es plötzlich bergab. An einem Tag sieht man sie und alles ist gut. Beim nächsten Mal können sie sich an nichts mehr erinnern.“

Als Beispiel nannte er seinen ehemaligen Gegner Floyd Patterson. „Patterson wirkte doch auch in Ordnung. Er war immer ein ruhiger Typ. Und plötzlich konnte er sich an nichts mehr erinnern. Und kurz darauf war er tot.“

George Chuvalo überlebte einige der härtesten Kämpfe, die das Schwergewicht der 1960er- und 1970er-Jahre zu bieten hatte. Seine außergewöhnliche Nehmerfähigkeit machte ihn zur Legende. Sein Leben abseits des Rings zeigte zugleich, dass selbst einer der härtesten Männer der Boxgeschichte Schicksalsschläge erleben musste, gegen die es keinen Schutz gab.

R.I.P. Champion

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