Am Samstag in Köln: Simon Zachenhuber vs. Armin Ajrulai

Der Hauptkampf beim GBS FightClub:
Simon Zachenhuber vs. Armin Ajrulai.

Beim GBS FightClub stehen 12 Profiboxkämpfe auf dem Programm. Neben einem Boxturnier rückt dabei vor allem Simon Zachenhuber in den Fokus – live auf YouTube.

Die German Boxing Series meldet sich am Samstag aus der BASE in Köln zurück. Im vergangenen März veranstaltete man erstmals den GBS FightClub, bei dem auch ein eigenes Boxturnier eingeführt wurde. Rückblickend darf das Event als voller Erfolg gewertet werden, weshalb man sich entschloss, den FightClub erneut auszurichten.

„Es wird eine ultrahitzige, geile Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Wer beim ersten GBS FightClub dabei war, weiß, wovon ich rede. Wir freuen uns riesig auf das Event. Es war nach 18 Minuten ausverkauft, was uns gerade in der derzeitigen Situation in Deutschland, in der viele Veranstalter Probleme haben, wahnsinnig freut“, sagte Promoter Ruben Lammersdorf auf Nachfrage von Boxen1 und richtete zugleich einen Appell an die Boxsportfans:

„Wir appellieren an jeden Boxfan, bei den Veranstaltungen, die er besuchen möchte, Tickets zu kaufen und den Sport zu unterstützen. Das macht die Planung für die Veranstalter wesentlich einfacher.“

Simon Zachenhuber kehrt nach seiner ersten Profiniederlage zurück

Simon Zachenhuber bei der Ringside Zone-Veranstaltung in Heidelberg:
Fotonachweis: Peter Tippe

Deutschlands Boxhoffnung Simon Zachenhuber (28-1) war bei mehreren Weltverbänden hervorragend gerankt und machte sich berechtigte Hoffnungen auf eine Weltmeisterschaft. Im vergangenen April erhielt er die Gelegenheit, auf der Undercard im Tottenham Hotspur Stadium zu boxen – eine gewaltige Bühne, die sich rückblickend jedoch als Fiasko entpuppte.

Zunächst fiel der ursprünglich vorgesehene Gegner aus. Kurzfristig fand man Ersatz in Pawel August (18-0), einem weitgehend unbekannten Kontrahenten. Der Kampf wurde von zehn auf sechs Runden verkürzt, und statt drei Punktrichtern wertete lediglich der Ringrichter den Kampf.

August witterte seine Chance, setzte Zachenhuber in den ersten vier Runden unter Druck und gestaltete das Duell ausgeglichen. Am Ende wertete der Ringrichter den Kampf mit 58:56 für den Außenseiter – ein Urteil, das durchaus kontrovers diskutiert wurde.

Letztlich verlor Zachenhuber einen Kampf, der von schwierigen Begleitumständen geprägt war. Den Kopf in den Sand zu stecken, kommt für ihn jedoch nicht infrage. Schnell brachte er ein Rematch gegen August ins Gespräch. Zuvor möchte er jedoch weitere Ringpraxis sammeln und stellt sich am Samstag in Köln einem Zehn-Runden-Hauptkampf im Supermittelgewicht. Die Überschrift lautet dabei unmissverständlich: Eine weitere Niederlage ist keine Option.

Armin Ajrulai möchte als Underdog für die Überraschung sorgen

Boxen: Universum Boxing Night #12, Köln, 11.05.2024
Armin Ajrulai (GER) – Nodar Robakidze (GEO)
© Torsten Helmke

Zachenhuber trifft auf Armin Ajrulai (10-2), einen Kämpfer mit albanischen Wurzeln, der bereits einige harte Schlachten geschlagen hat. Die größte Herausforderung seiner Karriere wartete jedoch außerhalb des Rings. Nach einer Niederlage in Neuss im Jahr 2019 erlitt er eine Gehirnblutung und schwebte zeitweise in Lebensgefahr.

Ajrulai kämpfte sich zurück, verbrachte Zeit im Krankenhaus und arbeitete hart an seinem Comeback. Viele Boxer hätten nach einem solchen Schicksalsschlag ihre Karriere beendet. Für Ajrulai stand jedoch fest, dass er in den Ring zurückkehren würde.

Zuletzt schloss er sich dem Trainerteam von Kerim Engizek unter „Coach Anil“ an und feierte fünf Siege in Folge. Dadurch erhält der Mann aus Neuss nun die bislang größte Chance seiner Karriere gegen die deutsche Nummer eins, Simon Zachenhuber.

Ein Sieg würde seine Karriere schlagartig verändern. Die Aufgabe ist jedoch enorm. Zachenhuber gilt als athletischer Modellprofi mit hoher physischer Präsenz und der Fähigkeit, über zehn Runden konstant Druck auszuüben. Als möglicher X-Faktor könnte Coach Anil eine Rolle spielen, doch ob das ausreichen wird, bleibt abzuwarten.

Für Zachenhuber wäre eine zweite Niederlage in Serie kaum vorstellbar und würde viele Fragen hinsichtlich seiner weiteren Karriereplanung aufwerfen. Die Erwartungshaltung ist daher klar: Mit einem überzeugenden Sieg soll er sich am Samstag für ein Rematch gegen Pawel August empfehlen.

Co-Main-Event zwischen Gregor Soenius und Alexander Lorch

Gregor Soenius vs. Alexander Lorch.

Im Co-Main-Event wird der Kölner Publikumsliebling Gregor Soenius (8-0) zu sehen sein. Soenius hat sich in seinen letzten Kämpfen stetig weiterentwickelt und arbeitet sich langsam, aber sicher in Richtung der Top 100 der Welt vor. Nun wartet mit Alexander Lorch (17-2) möglicherweise der bislang prominenteste Gegner seiner Karriere.

Lorch blickt auf eine starke Bilanz von 17 Siegen zurück und ist in Deutschland kein Unbekannter. Der Sohn der saarländischen Box-Ikone Uwe Lorch möchte seine Erfahrung im Ring ausspielen und die Kölner Fans verstummen lassen. Ob ihm das gelingen wird, bleibt abzuwarten. Physisch dürfte die Aufgabe jedenfalls anspruchsvoll werden, denn Lorch boxt eigentlich im Halbschwergewicht und fordert Soenius nun im Cruisergewicht heraus – ein erheblicher Unterschied. Insgesamt handelt es sich um ein interessantes nationales Duell, von dem es in Deutschland deutlich mehr geben sollte.

Claudio Vizzini auf Mission Titelverteidigung

Teilnehmerfeld des zweiten GBS FightClub-Profiboxturniers im Superweltergewicht.

Es war die große Geschichte des ersten GBS FightClub im März. Beim Profiboxturnier im Superweltergewicht duellierten sich insgesamt vier Boxer. Am Ende triumphierte ausgerechnet Claudio Mirko Vizzini (6-5), der ursprünglich gar nicht für das Turnier vorgesehen war. Der Schützling von „Coach Anil“ sprang im Finale kurzfristig für den verletzten Antonio Fechner ein und gewann furios durch TKO in Runde drei.

Nun ist Vizzini als Titelverteidiger regulär im Teilnehmerfeld vertreten und möchte erneut den Gesamtsieg über zwei Kämpfe erringen. Im Halbfinale trifft er auf das Energiebündel Kemal Salih (2-1-1), der stets für Unterhaltung sorgt – nicht nur im Ring, sondern auch verbal.

Die beiden weiteren Teilnehmer sind Stjepan Biljan (1-0) und Mahsum Balaban (5-2-2). Ein spannendes Teilnehmerfeld, in dem sich am Ende nur einer durchsetzen kann und neben zwei Profisiegen auch ein Preisgeld mit nach Hause nehmen wird.

Action garantiert zwischen Younes Zarraa und Meriton Karaxha

Zarraa vs. Karaxha

Potenzial für den Fight of the Night besitzt der Weltergewichtskampf zwischen Younes Zarraa (15-1) und Meriton Karaxha (34-10-4).

Zarraa, der ebenfalls von „Coach Anil“ trainiert wird, konnte zuletzt vier Siege in Serie feiern. Im März war ein Auftritt beim ersten GBS FightClub geplant, doch eine Verletzung verhinderte den Kampf. Nun ist der Mann, dessen einzige Niederlage gegen den heutigen WBC-Pflichtherausforderer Ermal Hadribeaj (23-0-1) zustande kam, umso motivierter, endlich wieder in den Ring zu steigen.

Mit Karaxha wartet allerdings der nächste unangenehme Albaner auf ihn, den manche Boxfans in Deutschland noch gut kennen. Im Dezember 2021 lieferte er sich einen sehenswerten Zehn-Runden-Kampf mit Ex-Weltmeister Abass Baraou (17-2) und gewann dabei sogar mehrere Runden auf den Punktzetteln.

Mit inzwischen 34 Jahren hat Karaxha zahlreiche Schlachten geschlagen, dennoch ist davon auszugehen, dass er auch 2026 konsequent Offensivdruck erzeugen wird. Zarraa ist also gewarnt. Dieses Match-up verspricht höchste Intensität.

Steven Nduka möchte erneut glänzen

Steven Nduka stoppt Roberto Arriaza.
© Pervin Inan-Serttas

Wenn es um die größten deutschen Prospects geht, muss der Name Steven Nduka (12-0) fallen. Das erst 20-jährige Halbschwergewicht von No Limit Boxing aus Leverkusen möchte auch in Köln sein Können unter Beweis stellen.

Die ursprünglich anvisierten Gegner konnten jedoch nicht verpflichtet werden. Schließlich fand man mit dem Briten Navid Iran (11-6-1) einen Ersatz, der auf dem Papier als klarer Außenseiter gilt. Dennoch fordert Trainer Bekim Hoxhaj eine konzentrierte und abgeklärte Leistung seines Schützlings, der einen erfahrenen Gegner keinesfalls unterschätzen darf.

Ebenfalls für das No-Limit-Team wird das Superleichtgewicht Mohammed Azaoun (4-0) in den Ring steigen. Azaoun stellte sich von Beginn seiner Karriere an anspruchsvollen Gegnern und überzeugte mit einer gelungenen Mischung aus Offensivdruck und Technik. Sein letzter Kampf gegen Yeison Juarez verlangte ihm einiges ab. Nun trifft er auf den erfahrenen Atilla Kayabasi (12-27-1), der sich von einem jungen Prospect sicherlich nicht einschüchtern lassen wird.

Weitere Undercard mit Maximilian Schnell

Durfte sich über den neunten Profisieg freuen: Maximilian Schnell

Das sympathische Cruisergewicht Maximilian Schnell (9-2) ist mittlerweile Stammgast bei Veranstaltungen der German Boxing Series und möchte erneut als Sieger den Ring verlassen. Dafür muss er gegen den 46-jährigen Venezolaner Pedro Perales (7-5-2) bestehen – eine durchaus lösbare Aufgabe für den Schützling von Trainer Stefan Krengel.

Interessanter erscheint auf dem Papier das Halbschwergewichtsduell zwischen Vladimir Scherban (2-0) und Karen Gevorgyan (3-1-1), das Spannung und Intensität verspricht.

Komplettiert wird die Fightcard durch die Superweltergewichtskämpfe zwischen Arminius Rolle (5-0) und Max Teschke (0-1) sowie Tim Knöfel (Profidebüt) und Patrick Jäger (0-1).

Kostenlose Übertragung auf YouTube

GBS FightClub-Fightcard: Zachenhuber vs. Ajrulai

Die regulären Tickets für die BASE Köln waren erneut innerhalb weniger Minuten vergriffen. Für Kurzentschlossene hat die German Boxing Series noch ein kleines Zusatzkontingent an VIP-Tickets inklusive Catering für 240 Euro freigegeben.

Alternativ können die Kämpfe bequem über den kostenlosen Livestream auf YouTube verfolgt werden. Die Übertragung beginnt am Samstag um 16:30 Uhr.

4/5 - (15 votes)

1 Kommentar

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein