
Das deutsche Halbschwergewicht Michael Eifert erhält die große Gelegenheit, um mehrere WM-Titel gegen P4P-Superstar Dmitrii Bivol zu boxen – live auf DAZN.
Es sind nur noch wenige Tage bis zum großen Boxknaller in Jekaterinburg, Russland. In der UMMC Arena werden über 10.000 Zuschauer erwartet, wenn Ausrichter RCC Boxing Promotions zur Jubiläumskampfgala einlädt. RCC gilt als größte russische Boxpromotion und wurde 2016 gegründet, weshalb nun die Feierlichkeiten zum zehnjährigen Jubiläum anstehen. Für dieses Event hat man sich etwas Besonderes ausgedacht und präsentiert das Homecoming eines russischen P4P-Superstars.
Zweiter Kampf für Bivol in Russland innerhalb von neun Jahren

Foto: Mark Robinson Matchroom Boxing
Dmitrii Bivol (24-1) gilt seit Jahren als einer der weltbesten Boxer gewichtsklassenübergreifend. Das russische Halbschwergewicht wechselte früh in die USA und forcierte dort seine Profilaufbahn. Dies führte dazu, dass er in Russland selbst nur selten zu sehen war. Im Dezember 2021 absolvierte Bivol bereits ein Homecoming gegen den Tschetschenen Umar Salamov (32-2) in Jekaterinburg, nun kehrt er viereinhalb Jahre später erneut in die Stadt zurück.
Zuletzt war Bivol viermal hintereinander in Riad, Saudi-Arabien, zu sehen. Dort lieferte er sich unter anderem zwei denkwürdige Kämpfe mit Artur Beterbiev (21-1), von denen er den letzten im Februar 2025 gewann. Es war Boxen auf höchstem Niveau und Bivol zementierte mit diesem Erfolg seinen P4P-Status. Gleichzeitig sicherte er sich sämtliche vier WM-Titel im Halbschwergewicht.
Daraufhin musste er jedoch eine Zwangspause einlegen und sich einer Rückenoperation unterziehen. Ursprünglich stand ein dritter Kampf zwischen Bivol und Beterbiev im Raum, doch die Verletzung ließ dies vorerst nicht zu. Stattdessen erhält nun ein Deutscher seine große WM-Chance, auf die dieser bereits seit vielen Jahren sehnsüchtig wartet.
Michael Eifert und das Ende der langen Wartezeit

Bivol verteidigt am Samstag seinen WBA-, IBF- sowie den weniger prestigeträchtigen IBO-Titel gegen den Bautzner Michael Eifert (13-1). Der WBO-Titel steht hingegen nicht auf dem Spiel, da der Weltverband Kämpfe in Russland derzeit nicht sanktionieren möchte.
Eifert stand in den vergangenen Jahren kaum noch im Ring und verschwand nahezu vollständig aus der öffentlichen Wahrnehmung. Einige Beobachter dürften sich daher die Frage stellen, weshalb ausgerechnet der international eher unbekannte Eifert nun plötzlich die Chance auf einen derart großen Kampf erhält.
Dafür muss man bis in den März 2023 zurückblicken. Damals erhielt Eifert die Möglichkeit, sich einem IBF-WM-Ausscheidungskampf gegen Ex-Weltmeister Jean Pascal (37-8-1) zu stellen.
Pascal, der zu diesem Zeitpunkt durchaus noch als legitimer Top-10-Mann galt, wurde in seiner kanadischen Heimat klar favorisiert. Eifert trotzte jedoch diesem Status und holte tatsächlich das kaum für möglich gehaltene Upset in Kanada nach Punkten. Ein riesiger Erfolg, den selbst die kühnsten Optimisten wohl kaum erwartet hätten.
Daraufhin stand fest, dass der Deutsche um die IBF-Weltmeisterschaft boxen darf – doch über drei Jahre lang sollte sich nichts bewegen. Eine aufwühlende und belastende Zeit für einen Boxer, der schlichtweg kämpfen möchte, dem die Boxpolitik im Hintergrund jedoch immer wieder im Weg stand.
Zahlreiche Einflüsse aus dem Ausland

Umso erleichterter dürfte Eifert nun sein, endlich seinen großen Kampf am Samstag zu erhalten und sein Können im Ring unter Beweis stellen zu können. Zwischenzeitlich bestritt er in über drei Jahren lediglich einen kleineren Stay-busy-Kampf, den er im August 2024 in Magdeburg gegen Carlos Eduardo Jimenez (15-11) vorzeitig in der zweiten Runde gewann. Weitere Kämpfe sah sein Promoter SES nicht für ihn vor, da jede Niederlage seinen WM-Status unmittelbar gefährdet hätte. Dies führte letztlich dazu, dass Eifert zum Warten und Trainieren verdammt war.
Wer Eifert jedoch kennt, weiß, dass er in den vergangenen Jahren keineswegs unmotiviert zu Hause saß. Der Familienvater trainierte durchgehend und hielt sich fit. Häufig hielt er sich im Ausland auf, arbeitete akribisch mit seinem Coach Dmitrijs Šiholajs und sammelte zahlreiche neue Einflüsse. So reiste er beispielsweise nach Usbekistan, das derzeit als führende Boxnation gilt, und absolvierte dort Sparringseinheiten mit Ex-Weltmeister Sergey Kovalev. Auch der ehemalige Cruisergewichtsweltmeister Mairis Briedis arbeitete mit Eifert im Training zusammen, da Briedis und Trainer Šiholajs bereits früher kooperierten.
Eine historische Chance benötigt ein historisches Upset

Foto: Istvan Szili
Insgesamt muss man jedoch festhalten, dass die lange Ringabstinenz durchaus ein Problem darstellen könnte. Gerade mit Blick auf den größten Kampf seiner Karriere wäre es natürlich besser gewesen, keinen Ringrost anzusammeln. Selbstverständlich absolvierte Eifert zahlreiche Sparringseinheiten, doch Wettkampfpraxis lässt sich dadurch nur bedingt ersetzen.
Das deutlich größere Problem als ein möglicher Ringrost ist jedoch der Gegner selbst. Bivol gilt seit Jahren als einer der weltbesten Boxer gewichtsklassenübergreifend. Statistisch weist er herausragende Werte auf und verfügt über eines der besten Trefferverhältnisse zwischen gelandeten und kassierten Schlägen. Ein Qualitätsmerkmal, das verdeutlicht, wie groß sein Vorsprung gegenüber der Konkurrenz bislang war. Lediglich Artur Beterbiev konnte ihm zuletzt wirklich gefährlich werden – wobei auch dieser im P4P-Kontext als Ausnahmeboxer gilt.
Die Chance, die sich Eifert am Samstag in Jekaterinburg bietet, ist historisch für einen deutschen Boxer. Er könnte einen P4P-Superstar schlagen, der drei WM-Gürtel hält und zusätzlich den inoffiziellen The-Ring-Status als Nummer eins im Halbschwergewicht besitzt. Sollte Eifert tatsächlich erfolgreich sein, würde er damit deutsche Boxgeschichte schreiben und sich dauerhaft in den Geschichtsbüchern verewigen.
Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass ein Sieg des Deutschen als Upset des Jahres gelten würde – womöglich sogar als eines der größten Upsets der gesamten Dekade. Wer jedoch einen monumentalen Sieg erringen möchte, muss eben auch eine monumentale Leistung abrufen, die ihm kaum jemand zutraut.
Hoffnung dürfte Eifert vor allem seine positive Erfahrung auswärts in Kanada machen, wo er bereits als Außenseiter überzeugen konnte – auch wenn Bivol nochmals deutlich stärker einzuschätzen ist. Zudem hatte der Weltmeister zuletzt gesundheitliche Probleme und musste operiert werden. Vielleicht befindet er sich tatsächlich nicht bei 100 Prozent, was Eifert ausnutzen müsste, sofern sich eine solche Gelegenheit bieten sollte.
Boxen1 wünscht Michael Eifert viel Erfolg für seinen großen Kampf am Samstag.
Mediale Aufmerksamkeit kaum vorhanden – DAZN-Übertragung noch nicht final bestätigt
Grundsätzlich sollte man meinen, dass ein deutscher Boxer bei einem derart großen Kampf auch medial im Mittelpunkt stehen müsste. Selbst eine Übertragung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wäre durchaus denkbar gewesen. Stattdessen bleibt es erstaunlich ruhig rund um das Duell.
Das liegt in erster Linie daran, dass der Austragungsort Russland aufgrund des Ukraine-Kriegs äußerst kritisch betrachtet wird. Viele Verantwortliche scheinen das Thema daher lieber klein halten zu wollen, anstatt ihm zusätzliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Das ist durchaus schade, denn Michael Eifert hätte es verdient, auch hierzulande stärker im Fokus zu stehen. Ursprünglich war der Kampf sogar auf der Undercard von Usyk vs. Verhoeven in Ägypten im Gespräch, was sicherlich eine deutlich größere Aufmerksamkeit erzeugt hätte. Nun muss man sich in Russland mit einer wesentlich kleineren Bühne zufriedengeben.
Tatsächlich gibt es bislang auch noch keine endgültige Bestätigung für eine Übertragung in Deutschland. Weltweit wird der Kampf auf dem Streamingdienst DAZN übertragen, lediglich in Russland und im DACH-Raum galt dies zunächst nicht. Inzwischen deutet jedoch vieles darauf hin, dass das Event am Samstag auch hierzulande auf DAZN zu sehen sein wird – eine finale Bestätigung wird zeitnah erwartet.
Die DAZN-Übertragung soll am Samstag um 17 Uhr beginnen und insgesamt fünf Titelkämpfe umfassen. Der Hauptkampf ist für etwa 20:30 Uhr deutscher Zeit angesetzt.















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