
In der XPOST erfolgt die inzwischen dritte Veranstaltung der German Boxing Series, die echtes Boxen für die Zuschauer präsentieren will.
Am Samstag ist es endlich wieder so weit: Köln wird zur Boxhochburg. Die Domstadt fiel in den letzten Jahren diesbezüglich nur selten auf, doch ein neuer Anbieter hat jenes komplett auf den Kopf gestellt: German Boxing Series. Ein ambitioniertes Dreiergespann aus Köln, das es sich zur Aufgabe gesetzt hat, den deutschen Boxsport in NRW wieder auf die Landkarte zu setzen.
Nun hat man solche Aussagen gefühlt von allen neuen Promotern gehört, doch was macht die German Boxing Series anders und so erfolgreich? Der wesentliche Unterschied liegt hierbei neben einer hohen Seriosität in der Vermarktung beim Thema Matchmaking. Seien wir ehrlich: Bei den meisten Boxveranstaltungen reicht ein kurzer Blick auf Boxrec aus, um zu wissen, wer gewinnen wird. Wo bleibt dort also der Mehrwert für den Zuschauer, der sich im Zweifel ein teures Ticket holen soll?
Ambitioniertes Matchmaking ist der Schlüssel für eine sehenswerte Veranstaltung
Die German Boxing Series hat dieses Problem erkannt und sich – in Person von Matchmaker Ruben Lammersdorf – auf die Fahne geschrieben, mit ausgeglichenen Kämpfen die Boxsportfreunde zu überzeugen.
„Warum wir jetzt schon so gut etabliert sind? Es liegt, glaube ich, daran, was im deutschen Boxen fehlt: Das sind tatsächlich spannende Kämpfe – ohne in Anführungszeichen Busfahrer […] Was den Leuten somit Lust auf Boxen macht. Unser Ziel ist es, dass die Leute wiederkommen und nicht wie bei anderen Veranstaltungen einmal zum Boxen gehen und denken: ‚Nie wieder!‘“, erläutert Lammersdorf die Herangehensweise gegenüber Boxen1.
Titelkämpfe als gewinnbringende Premiere bei der German Boxing Series
Neben den ausgeglichenen Kämpfen wird man für die dritte Veranstaltung erstmalig zusätzlich noch drei Titelkämpfe in der XPOST präsentieren, die im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen und hochklassigen Boxsport versprechen sollen.
„Wir sind der Meinung, dass der deutsche Meistertitel immer noch viel wert ist – was uns auch unser Freund und Förderer Rüdiger May immer wieder eintrichtert. Dass es direkt drei Titelkämpfe wurden, zeigt einfach, dass die Fightcard verdammt gut ist“, so Ruben Lammersdorf.
Thorsten Fuchs und Martin Houben liefern sich den NRW-Showdown im Hauptkampf

Im Hauptkampf des Abends wird Thorsten Fuchs (14-2) seinen BDB-International-Titel im Cruisergewicht verteidigen, den er in einer actiongeladenen Schlacht im vergangenen Juni auf einer Universum-Veranstaltung gewann. In dem Kampf war Fuchs früh unten, keilte jedoch angeschlagen mit und stoppte seinen zuvor ungeschlagenen Gegner plötzlich selbst. Ein Kampfverlauf wie im Rocky-Film!
Nun möchte der Essener den Erfolg bestätigen und demnächst um die vollwertige Deutsche Meisterschaft kämpfen, doch zuvor muss er den renommierten Martin Houben (17-3-1) besiegen. Ein ambitioniertes Vorhaben, denn Houben gilt als starker Mann, der im Halbschwergewicht einen guten Rekord aufweist. Zwar konnte er den Sprung in die absolute internationale Spitze nicht vollziehen, doch auf nationaler Ebene hat Houben selbstverständlich die Ambition, zu dominieren. So muss man also davon ausgehen, dass Houben als Favorit in den Kampf gehen wird.
Dennoch darf man Fuchs keineswegs unterschätzen. Mit seinem Trainer Salih Yildirim hat man sich taktisch sehr gut vorbereitet und wer Fuchs schon einmal im Ring gesehen hat, weiß, dass der Essener jederzeit einen Kampf vorzeitig entscheiden kann. Ob ihm das auch gegen den Übach-Palenberger Houben gelingt, wird man mit Spannung verfolgen. Insgesamt sicherlich ein empfehlenswerter Kampf, der insbesondere durch den NRW-Bezug sehr gut funktionieren dürfte.
BDB-Titelkampf im Superfedergewicht: Lion Gharakhani gegen Oussama Kebdani

Einige Gewichtsklassen unterhalb des Cruisergewichts wird es zur Deutschen Meisterschaft im Superfedergewicht kommen – eine spannende Gewichtsklasse, die insbesondere im internationalen Bereich eine Menge aufzubieten hat. International möchten sicherlich auch Lion Gharakhani (4-0) und Oussama Kebdani (8-1) eines Tages stattfinden, zunächst gilt es jedoch, die nationale Hürde zu nehmen.
Beide Boxer stammen ebenfalls aus NRW, was das Duell reizvoll erscheinen lässt. Gharakhani ist noch ungeschlagen und gehört der German Boxing Series an, doch Kebdani konnte sich in der Vergangenheit schon häufiger präsentieren. So nahm er regelmäßig an Universum-Veranstaltungen teil, wo er gegen starke Gegner antrat und knapp gewann. Zuletzt lief es für ihn jedoch bedeutend weniger erfreulich. Nach der ersten Profiniederlage wurde er zudem noch bei der Ringlife Combat Series von einem deutlich schwereren Gegner gestoppt.
Das Schöne am Sport ist jedoch, dass man mit einem Sieg gleich zwei vorherige Niederlagen vergessen machen kann. Kebdani ist heiß auf die Titelgelegenheit und möchte auf großer Bühne zeigen, was in ihm steckt. Köln darf sich auf einen rassigen Titelkampf mit hohem Tempo gefasst machen.
Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht zwischen Kevin Kiy und Marc Lambertz

© Devad Handanovic
Bei der zweiten German Boxing Series-Veranstaltung musste Marc Lambertz (13-2) eine harte Niederlage in Runde 2 gegen den ungeschlagenen Kevin Kiy (8-0-1) einstecken. Die Enttäuschung war groß, die Vorbereitung jedoch auch maximal suboptimal und Lambertz war fest entschlossen, in einem Rematch zeigen zu wollen, dass dies nicht sein normales Niveau entspricht.
Nun bekommt „La Tortuga“ sein heißersehntes Rematch – und zehn Monate Zeit, sich akribisch mit Headcoach Rüdiger May auf Kiy einzustellen. Von Kiy hört man positive Dinge aus Boxerkreisen, er gilt als fähiges Prospect, das auch Dynamit in den Fäusten hat. Ungünstige Vorzeichen also für Lambertz, der jedoch Köln und Deutschland beweisen möchte, dass er sich auch als Underdog vor einer Schlacht nicht scheut – er appelliert an seinen Boxstolz.
Zusätzliche Motivation findet Lambertz auch darin, dass das Rematch aufgestuft wird zur Deutschen Meisterschaft im Halbschwergewicht. Eine große Chance für beide Männer, die sie unbedingt krachend nutzen wollen.
Gregor Soenius: Die Boxhoffnung aus Köln-Zollstock

Neben zahlreichen Personalien aus NRW wird auch ein waschechter kölscher Jung in den Ring steigen: Gregor Soenius (5-0). Das ungeschlagene Cruisergewicht aus Köln-Zollstock war bei der ersten Veranstaltung der German Boxing Series als Security anwesend und träumte davon, selbst bei solch einer gigantischen Kulisse einmal zu kämpfen.
Mittlerweile ist der Traum in Erfüllung getreten und Soenius hat sich im Jahr 2025 einen guten Kampfrekord mit 5 Siegen aufgebaut. Nun steht die erste größere Bewährungsprobe an gegen einen ebenfalls numerisch guten Boxer: Maximilian Schnell (8-1). Schnell weist schon einiges an Erfahrung auf, gewann einen Titelkampf und nahm zudem 2022 an der Deutschen Meisterschaft teil, verlor dort jedoch nach Punkten. Er ist ein Schützling des Boxclub Niederkassel und wird vom schonungslos offenen Trainer Stefan Krengel gecoacht.
Zwar war Schnell in den letzten zwei Jahren fast inaktiv, dennoch verspricht er auf dem Papier kein ungefährlicher Gegner für Soenius zu werden. Beide werden sich maximale Siegeschancen einräumen, wodurch das ein spannendes Co-Mainevent werden sollte.
Alexander Schürhoff trifft auf Nino Kolicic

Ebenfalls im Cruisergewicht wird Alexander Schürhoff (15-0) zu sehen sein. Der Altenpfleger aus Dorsten überzeugte im Januar mit einer vielversprechenden Performance gegen Reality-Star-Boxer Denny Heidrich (9-3) und ließ ihm über 8 Runden keinerlei Chancen. Damit hat Schürhoff sich berechtigte Ambitionen gemacht, wirklich zu den besten Cruisergewichtlern des Landes zu zählen – wobei man sagen muss, dass diese Gewichtsklasse hierzulande sehr stark besetzt ist.
Nino Kolicic (7-1) hatte diese Ambitionen ebenfalls, doch der Schützling von Dominik Junge musste in seinem letzten Kampf seine erste schmerzliche Niederlage hinnehmen – gegen Edwin Mosquera (18-7-2). In der ersten Runde erschien Kolicic angeschlagen und musste einiges nehmen, wobei ein großer Cut oberhalb des Auges entstand, der schließlich zum Abbruch führte. Eine große Enttäuschung für Kolicic, der jedoch bereits acht Monate später die Chance auf Wiedergutmachung erhält. Mit einem Sieg über den sehr gut gerankten Schürhoff wäre Kolicic wieder voll drin im Geschehen – eine weitere Niederlage hingegen würde größere Ambitionen begraben.
Eine spannende Konstellation also, die vermutlich einen offensiv eingestellten Kolicic zur Folge haben wird, der unbedingt den Turnaround folgen lassen will.
Younes Zarraa gegen Leonardo Di Stefano verspricht große Action

Das Schöne bei ausgeglichenen Fightcards ist, dass selbst unscheinbare Kämpfe mitten auf einer Card zu den Highlights des Abends zählen können. Ein theoretisches Beispiel ist gewiss das Duell im Superweltergewicht zwischen Younes Zarraa (13-1) und Leonardo Di Stefano (16-5). Zarraa, der von Kerim-Engizek-Trainer Anil Büyüktunca betreut wird, weist einen guten Kampfrekord sowie eine starke Amateurvita auf. Im Januar lieferte er sich bei der zweiten German Boxing Series-Veranstaltung den Fight of the Night gegen den Ungarn Ruben Romai (6-2) und bewies in dem Kampf, dass er Herz und technische Finesse besitzt.
Das wird nun ebenfalls vonnöten sein, denn er trifft auf den erfahrenen Di Stefano, der schon zahlreiche Titelkämpfe im Ausland bestritten hat. Di Stefano ist ein Kämpfer, der nach vorne geht und gerne am Mann arbeitet, was zu attraktiven Kämpfen führt. Zuletzt hatte er frühzeitig das Nachsehen gegen Simon Zachenhuber (28-0) und musste daraufhin medizinisch versorgt werden. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass der Kampf im Supermittelgewicht stattfand und er gegen den weniger schlagstarken Zarraa im Superweltergewicht bedeutend besser zurechtkommen dürfte.
Wer also ein Fan von rassigen Kämpfen mit offensiven Schlagabtauschen ist, sollte diesen Kampf unbedingt nicht verpassen.
Claudio Vizzini stellt sich dem Actionfighter Seiran Engel

© Konstantinos Sarigiannidis
Große Action verspricht ebenfalls ein weiterer Kampf im Superweltergewicht an diesem Abend. Claudio Vizzini (2-4) ist ein Freund des Sängers Pietro Lombardi und versucht sich seit fast 1,5 Jahren im Profiboxen – mit gemischten Resultaten, wenn man auf die Kampfbilanz schaut. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass Vizzini sich konstant großen Herausforderungen stellte. Eine Herangehensweise, die im Boxen ziemlich selten ist, da die meisten Boxer sich lieber ins gemachte Nest setzen und nichts riskieren wollen.
Vizzini ist anders: Er will kein Papier-Boxer mit künstlichen Bilanzen sein – er will ein echter Fighter sein, der sich im Ring sportlich messen möchte. Das verdient Respekt. Respekt verdient ebenfalls der legendäre „Brave Tomato“ Seiran Engel (5-38-5), der als absoluter Actionfighter in der deutschen Boxszene geschätzt und geliebt wird. Zwar könnte man meinen, dass Engels Fähigkeiten bei 38 Niederlagen eher gering ausfallen, doch Kampfbilanzen sind numerisch häufig ein Trugschluss. Engel kennt nur den Vorwärtsgang und liefert große Kämpfe. Selbst bei hochklassigen Veranstaltungen sind es zumeist seine Kämpfe, die am Ende des Abends von den Zuschauern den lautesten Applaus bekommen. Ein echtes Qualitätssiegel also, das hoffentlich auch am Samstag wieder Einzug erhält.
Da beide Boxer nicht die technisch feinsten Vertreter sind, dafür aber großen Offensivwillen an den Tag legen, steht alles günstig, dass es eine echte und ausgeglichene Schlacht über 6 Runden wird, die das Boxpublikum entzücken wird!
Weitere Undercard mit FC-Anhänger „Macce“ Korth

© Konstantinos Sarigiannidis
Auch die weiteren Kämpfe des Abends versprechen einiges – insbesondere eine großartige Atmosphäre. So wird beispielsweise der glühende FC-Anhänger Marco „Macce“ Korth vermutlich ein letztes Mal im Ring zu sehen sein. Macce bringt treuen Support aus der Fußballszene mit, was sich auch in der Halle lautstark widerspiegeln wird. Neben Ausgeglichenheit möchte die German Boxing Series auch für eine feurige Atmosphäre stehen – dafür ist Macce prädestiniert.
Stimmungstechnisch ist auch Nils Bussmann (0-1) ein Garant. Beim Profidebüt im Januar kam gleich ein ganzer Bus aus Dortmund angereist, leider erfolgte eine schmerzliche Niederlage zur Abreise. Bussmann ging von Beginn an ein sehr hohes Tempo, overpacete und brach hinten heraus ein. Nun möchte er im zweiten Anlauf es besser machen und setzt wieder auf großen Support – gegen Cihat Bakir (2-4).
Im Opener der großen Boxnacht wird es zudem einen Frauenkampf im Mittelgewicht mit Anja Moskil (3-0) geben. Die renommierte Amateurboxerin gab im Januar ihr Profidebüt und möchte das Jahr erfolgreich mit dem vierten Sieg beenden. Leider gestaltete sich die Gegnerwahl äußerst schwierig, da in dieser Gewichtsklasse ohnehin kaum Boxerinnen aktiv sind. Am Ende nahm Ester Konecna (7-34-2) den Kampf an. Ebenfalls eine Personalie mit vielen Niederlagen, die aber nicht zu unterschätzen ist: Konecna weist Amateurerfahrung auf und bezwang im Juni 2024 in Spanien beispielsweise die Ex-Weltmeisterin Mikaela Lauren (33-8-1).
Resttickets sind noch verfügbar – Bild+ überträgt den Kampfabend
Die dritte Veranstaltung der German Boxing Series erfolgt am Samstag ab 17:30 Uhr in der XPOST in Köln. Der Einlass erfolgt um 16:30 Uhr. Resttickets sind ab 59 € online verfügbar – eine Abendkasse wird es nicht geben.















Alles Schrott. Marco und boxen 😂😂😂😂