
In Kanada möchte der Schweizer Hiseni den nächsten Hauptkampf siegreich gestalten – live auf DAZN. Es wartet ein ehemaliger WM-Contender.
Am Donnerstag lädt die größte Promotion in Kanada, EOTT, erneut zu einem Kampfabend ins Casino in Montréal ein. Anfang Februar war man zuletzt dort aktiv, wo sich der Stuttgarter Altin Zogaj (17-1) in einem harten und packenden Kampf vorzeitig geschlagen geben musste.
Nun wartet erneut ein Hauptkampf mit Beteiligung aus dem DACH-Raum auf die Boxsportfreunde. Der Schweizer Ramadan Hiseni (22-2-2) wird bereits zum dritten Mal in Kanada kämpfen – es ist sogar sein zweiter Hauptkampf in Folge. Hiseni hat sich durch zwei leidenschaftliche Auftritte einen respektierten Namen gemacht. Setzt sich sein Siegeszug an diesem Donnerstag fort?
Die kanadische Bühne liegt Ramadan Hiseni

©Vincent Ethier 2024
Geht man nach den Wettquoten, wurde Hiseni bei seinen bisherigen Auftritten jeweils als Außenseiter nach Kanada eingeladen. Bei seinem ersten Einsatz trotzte der Zürcher dem ungeschlagenen Shamil Khataev (13-0-1) ein Unentschieden ab, wobei viele Beobachter ihn sogar knapp vorne sahen. Im vergangenen Dezember legte Hiseni nach und bezwang im Hauptkampf Alexandre Gaumont (13-1) verdient nach Punkten, nachdem er diesen sogar einmal zu Boden geschickt hatte.
Ein starker Erfolg für den Schweizer, der auch dadurch unterstrichen wird, dass er bei den Wettanbietern mit einer Quote von 7,2 als klarer Underdog galt. Solche Rechenspiele interessieren Hiseni jedoch wenig – er konzentriert sich auf seine eigene Leistung, und das bislang mit Erfolg. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass er bei großen Auswärtskämpfen zur Höchstform aufläuft und die internationale Bühne genießt. So hoffentlich auch am Donnerstag, auf den die Vorfreude bereits enorm ist.
„Ich freue mich riesig, wieder in Kanada einen Hauptkampf bestreiten zu dürfen. Mein Gegner hat dort ebenfalls einen großen Namen, und genau solche Herausforderungen motivieren mich enorm. Vor diesem Publikum zu kämpfen, gibt mir zusätzliche Energie“, erklärte Hiseni gegenüber Boxen1.
Steven Butler – ein erfahrener WM-Contender mit Punch

Mit dem ehemaligen WM-Contender Steven Butler (37-5-1) wartet jedoch erneut eine knifflige Aufgabe. Butler stand bereits in zwei WM-Kämpfen, musste sich jedoch im Dezember 2019 im Kampf um den WBA-Titel gegen Ryota Murata (16-3) in Japan vorzeitig geschlagen geben. Auch im Mai 2023 verlief der WM-Anlauf um den WBO-Titel in den USA gegen den mittlerweile gesperrten Zhanibek Alimkhanuly (17-0) nicht erfolgreicher.
„Er ist definitiv ein erfahrener Gegner, das zeigt schon sein Rekord. Er weiß, wie man Kämpfe gestaltet, und nutzt es aus, wenn man ihm zu viel Respekt gibt – er könnte das als Schwäche interpretieren. Aber genau das wird von mir von Beginn an nicht passieren“, beschreibt Hiseni seinen Kontrahenten.
Butler gilt als harter Puncher, der explosiv agiert und Druck erzeugen kann. Allerdings wird sein Kinn als verwundbar eingeschätzt. Mit inzwischen über 40 Profikämpfen dürften sich seine Nehmerqualitäten kaum verbessert haben.
Der Kampf findet im Supermittelgewicht statt – eine Gewichtsklasse oberhalb dessen, in der Hiseni normalerweise antritt. Ein gravierender Nachteil dürfte sich daraus jedoch nicht ergeben, da auch Butler ursprünglich aus dem Mittelgewicht stammt. Möglicherweise wirkt sich das zusätzliche Gewicht für Hiseni sogar positiv aus, indem er ein paar Prozentpunkte mehr Schlagkraft mitbringt – was gegen Butler durchaus entscheidend sein könnte.
Ein offener und intensiver Hauptkampf wird erwartet
Orientiert man sich erneut an den Buchmachern, zeigt sich, dass Hiseni wieder als Außenseiter in den Kampf gehen wird. Allerdings ist die Quote von 1,29 zu 3,5 durchaus moderat verteilt. Eine große Rolle spielt hierbei sicherlich auch der Heimvorteil. Würde derselbe Kampf in der Schweiz stattfinden, könnte die Quote womöglich leicht zugunsten von Hiseni ausfallen oder zumindest bei 50:50 liegen.
In der Vergangenheit hat sich jedoch gezeigt, dass Wettquoten nicht zwingend repräsentativ sind. Grundsätzlich darf man von einem engen Kampf ausgehen. Beide Männer verfügen über ein ähnliches Leistungsniveau und können offensiv Druck erzeugen. Butler ist möglicherweise der härtere Puncher, weist dafür jedoch die anfälligeren Nehmerqualitäten auf. In einem intensiven Gefecht könnte sich der Kampf daher in den späteren Runden entscheiden. Geht es über die volle Distanz, dürfte Butler womöglich Vorteile genießen. Endet das Duell hingegen vorzeitig, könnte Hiseni die besseren Karten haben.
So oder so dürfen sich die Boxsportfreunde auf einen hochinteressanten Hauptkampf in Montréal am Donnerstag mit deutschsprachiger Beteiligung freuen. Hiseni zeigt sich siegessicher und möchte erneut in Übersee seine Qualitäten unter Beweis stellen.
„Ich bin überzeugt, dass ich mental stärker sein werde. Am Ende wird er mental einbrechen – und genau da werde ich den Unterschied machen“, prognostiziert Hiseni.
Spannende Namen auf der Undercard

Bis zu sechs Kämpfe sind auf der Undercard vorgesehen, darunter einige interessante Namen. Das kubanische Cruisergewicht Lenar Perez (15-0) wird im Ring stehen und trifft auf den ehemaligen WM-Contender Isaac Chilemba (27-10-3), der es physisch schwer haben dürfte.
Mit dem Leichtgewicht Jhon Orobio (16-0) und dem Supermittelgewicht Moreno Fendero (13-0) sind zwei weitere vielversprechende Talente im Einsatz, die an die Weltspitze anklopfen. Auch das international erfahrene Superleichtgewicht Steve Claggett (39-8-2) wird zu sehen sein, ebenso weitere Akteure.
DAZN überträgt erstmals eine EOTT-Veranstaltung
Zur Übertragung ist anzumerken, dass der Streamingdienst DAZN offenbar einen Deal mit der kanadischen Promotion EOTT abgeschlossen hat. Butler vs. Hiseni ist das erste Event, das auf DAZN übertragen wird. Auch die darauffolgende Veranstaltung mit dem IBF-WM-Kampf von Osleys Iglesias im April soll Teil dieser Kooperation sein.
DAZN wird in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ab 2 Uhr mit den Hauptkämpfen live auf Sendung gehen. Wer jedoch die gesamte Veranstaltung verfolgen möchte, benötigt ein Abonnement beim hauseigenen Anbieter Punchinggrace, der bereits ab 0:30 Uhr mit den Vorkämpfen startet – allerdings zu einem hohen Preis.














