Am Donnerstag in Montreal: Osleys Iglesias vs. Vladimir Shishkin

Fightposter: Osleys Iglesias vs. Vladimir Shishkin.

Der Kampf der Woche findet in Kanada statt, wo es zum IBF-Eliminator im Supermittelgewicht kommt. Gelingt Iglesias der finale Schritt?

Am Donnerstag lädt Eye of the Tiger erneut zu einem Kampfabend in das Casino von Montreal ein. Die größte Promotion Kanadas präsentiert dabei einen äußerst spannenden und bedeutenden Hauptkampf, der insbesondere auch in Deutschland auf Interesse stoßen dürfte. In einem Eliminatorkampf der IBF wollen sich beide Boxer das Recht erkämpfen, um die Weltmeisterschaft zu boxen. Einige offene Fragen werden dabei beantwortet.

Osleys Iglesias – die zukünftige Nummer 1 im Supermittelgewicht?

Osleys Iglesias vs. Petro Ivanov
©Vincent Ethier 2024

Saúl „Canelo“ Álvarez (63-2-2) hält derzeit sämtliche Gürtel im Supermittelgewicht, und nach der Niederlage des IBF-Pflichtherausforderers William Scull (23-1) ist der erste Platz vakant. Entsprechend duellieren sich nun Osleys Iglesias (13-0) und Vladimir Shishkin (16-1) um die Spitzenposition bei der IBF.

Iglesias, trainiert von Georg Bramowski, gilt als kommender Weltmeister. In seinen bisherigen 13 Kämpfen präsentierte sich der in Berlin lebende Kubaner nahezu sensationell. Der aktuelle IBO-Titelträger marschierte bislang von Glanzleistung zu Glanzleistung und avancierte zum Dark Horse der Gewichtsklasse. Was ihm jedoch noch fehlt, sind die ganz großen Kämpfe sowie der WM-Gürtel eines der vier bedeutenden Verbände.

Mit dem bevorstehenden Eliminator kann Iglesias einen entscheidenden Schritt machen. Zum einen stünde er dann unmittelbar vor einem WM-Kampf, zum anderen würde ein möglicher Sieg über den renommierten Shishkin sein Resümee zusätzlich aufwerten.

Shishkin verlor zuletzt umstritten gegen Scull

Boxen: KUC & Agon Boxpromotion, Falkensee, 19.10.2024
IBF-Weltmeisterschaft: William Scull (CUB) – Vladimir Shishkin (RUS)
© Torsten Helmke

Mit dem Russen Vladimir Shishkin wartet allerdings die bislang größte Herausforderung auf den kubanischen Überflieger. Shishkin boxte bereits im Oktober 2024 um die IBF-Weltmeisterschaft in Falkensee. Damals unterlag er knapp nach Punkten in einem ausgeglichenen Duell gegen William Scull – für viele Beobachter durchaus ein umstrittenes Urteil. Der direkte Rückkampf war im Gespräch, kam jedoch nicht zustande.

Nun erhält Shishkin die Chance, direkt wieder auf Platz 1 im Ranking vorzurücken. Dafür muss er allerdings erneut einen ungeschlagenen Kubaner auswärts bezwingen – eine Aufgabe, die alles andere als einfach erscheint. Im Gegenteil: Vieles deutet darauf hin, dass Iglesias sich noch stärker präsentieren wird als Scull. Entsprechend sehen die Buchmacher den Kubaner am Donnerstag als klaren Favoriten.

Nächster vorzeitiger Erfolg – oder doch das Upset?

Auch wenn sich Shishkin gegen Scull durchaus ansprechend präsentierte, ist dieses Matchup gegen einen technischen Puncher wie Iglesias von völlig anderer Natur. Die meisten Beobachter gehen sogar von einem vorzeitigen Erfolg des Kubaners aus, da er in seinen bisherigen Kämpfen schlichtweg zu dominant aufgetreten ist.

Dennoch sollte man bedenken, dass schon zahlreiche Boxer in ihrer Aufbauphase sensationell wirkten, später jedoch bei den großen Kämpfen die Erwartungen nicht bestätigen konnten. Ob dies ausgerechnet bei Iglesias der Fall ist, bleibt fraglich – doch am kommenden Donnerstag wird sich zeigen, ob er gegen den routinierten und starken Shishkin den hohen Erwartungen gerecht werden kann.

Undercard mit Dzmitry Asanau

Fightcard: Iglesias vs. Shishkin.

Auch die Undercard hält einige spannende Namen bereit. Das Schweizer Mittelgewicht Ramadan Hiseni wird allerdings nicht antreten. Trotz gültigen Vertrags wurde sein Kampf abgesagt, da sich die kanadische Seite verletzungsbedingt zurückzog.

Dzmitry Asanau (10-0, #36) vs. Laid Douadi (27-0-1, #110), Leichtgewicht:
Asanau, ein Elite-Amateur, war mehrere Jahre bei Universum Boxing in Deutschland aktiv, bevor er seine Karriere in Kanada fortsetzte. Der technisch hochversierte Weißrusse trifft nun auf den Franzosen Douadi, der in 28 Kämpfen ungeschlagen blieb. Allerdings ist dessen Kampfrekord eher schwach besetzt – ein Umstand, der bei so vielen Kämpfen oft ein Warnsignal darstellt. Asanau gilt daher als klarer Favorit.

Jhon Orobio (14-0, #56) vs. Xolisani Ndongeni (33-7, #104), Superleichtgewicht:
Orobio, ein 22-jähriger Kolumbianer, hat sich mit vorzeitigen Siegen einen Namen gemacht, ist aber noch ungetestet. Ndongeni bringt viel Erfahrung mit und kann Runden gehen. Zudem besiegte er im März in Puerto Rico einen ungeschlagenen Gegner (23-0), was seine Gefährlichkeit unterstreicht.

Moreno Fendero (11-0, #54) vs. Boris Crighton (13-5, #251), Supermittelgewicht:
Fendero, ein hoch dekorierter Amateur, hat sich als schlagstarker Puncher etabliert. Er stoppte unter anderem den Hamburger Edison Demaj frühzeitig, der später noch zehn Runden mit Nieky Holzken absolvierte. Gegner Crighton aus Schottland gilt als solider Boxer, lieferte 2023 Lyndon Arthur einen ausgeglichenen Kampf und steht Ende Oktober in Glasgow selbst vor einem Titelkampf. Ob er den Kampf gegen Fendero mit voller Ernsthaftigkeit bestreiten wird, bleibt abzuwarten. Ein schneller Payday vor dem Titelkampf in der Heimat ist denkbar.

Übertragung auf PunchingGrace

Die Veranstaltung beginnt in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ab 0:30 Uhr (MESZ) und wird im hauseigenen Abo-Service Punchinggrace.com live übertragen. Für den Zugang ist allerdings ein kostspieliges Quartalsabo erforderlich.

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