Am 5. Februar in Montreal: Mehmet Ünal vs. Altin Zogaj

Starkes Duell am 5. Februar in Montreal: Altin Zogaj vs. Mehmet Ünal

Für den Stuttgarter Zogaj steht endlich der große internationale Titelkampf im Ausland an. Die Aufgabe ist groß, ebenso die Vorfreude.

Lange wurde verhandelt, viel Zeit ist verstrichen, nun platzte jedoch endlich die Bombe: Der Stuttgarter Altin Zogaj (17–0) wird am 5. Februar bei der größten kanadischen Promotion Eye of the Tiger im Casino in Montreal in den Ring steigen. Es ist der große internationale Kampf, den Zogaj sich schon seit Jahren wünscht und erhofft. Nun soll er endlich stattfinden und das Jahr 2026 seinen endgültigen internationalen Durchbruch markieren.

Er trifft im Halbschwergewicht auf den türkischen Olympiateilnehmer Mehmet Ünal (14–0), der bei Eye of the Tiger unter Vertrag steht und als kompromissloser Volumepuncher gefürchtet ist. Gekämpft wird über zehn Runden um den WBC-Continental-Titel.

„Es war immer mein Ziel, im Boxen nach oben zu kommen und sich mit den Besten zu messen“, so Zogaj über seinen nächsten Kampf gegenüber Boxen1.

Das Auswärtsspiel in Kanada macht die Aufgabe umso komplizierter

Boxen: Z-Boxing, 2. Boxnacht, Stuttgart, 22.02.2025
WBA-Continental-Europe: Altin Zogaj (GER) – Alexander Rigas (GER)
© Torsten Helmke

Auswärtsspiele sind im Boxen stets mit Risiko verbunden. Zumeist muss man eine Niederlage einkalkulieren, da die Widrigkeiten umso größer ausfallen. Dennoch muss man als Sportler gewisse Risiken eingehen und an sich glauben, ansonsten tritt man auf der Stelle und kommt nicht voran. Als passendes Beispiel kann man Agit Kabayel nennen, der seine Herausforderung in Riad suchte und dafür massiv belohnt wurde.

„Ich freue mich, dass ich dort boxe. Nordamerika ist eine Boxhochburg. Überwiegend die USA, aber auch Kanada macht mit Eye of the Tiger sehr gute Arbeit. Sie haben sehr gute Boxer, vor allem im Halbschwergewicht mitunter die besten der Welt.“

Auch im Supermittelgewicht ist Eye of the Tiger gut aufgestellt, beispielsweise mit dem Weltklasse-Kubaner Osleys Iglesias, der demnächst um die IBF-Weltmeisterschaft boxen wird. Zogaj und Iglesias kennen sich seit Jahren vom Sparring und stehen in engem Austausch über Kanada.

„Sie haben mit Osleys Iglesias, mit dem ich lange zusammen trainiert habe, einen sehr guten Mann. Deswegen weiß ich, was sie dort für eine Arbeit leisten, weil ich das durch Osleys mitverfolge. Sie machen das alles schon sehr gut, und deshalb freue ich mich, dass ich auf einer so großen Promotion mein Können unter Beweis stellen kann.“

Mehmet Ünal gilt als unbändiger Actionfighter

Mehmet Ünal siegt vorzeitig.
©Vincent Ethier 2024

Zogaj verbrachte den Großteil seiner Karriere in Deutschland und wurde dort BDB-International-Titelträger sowie IBO- und WBA-Europameister. Gute Erfolge, die ihn in die Top 50 bei BoxRec aufsteigen ließen, doch er will mehr. In der Vergangenheit gab es bereits einige reizvolle Angebote von großen Promotern wie Matchroom Boxing, doch trotz Verhandlungen kam es nie zu einer endgültigen Fixierung.

Mit Ünal hat es nun nach langer Verhandlung endlich geklappt, und der Gegner verspricht so einiges. Der Türke agiert sehr eindrucksvoll und kennt nur eine Marschroute: Vollgas nach vorne. Dabei deckt er seine Gegner pausenlos mit Körper- und Kopfhaken ein und agiert kaum mit geraden Händen, obwohl er durchaus die Reichweite dafür mitbringen würde. Ein bemerkenswerter und spektakulärer Stil, der die Zuschauer mitreißt und für die Gegner zumeist einen schmerzhaften Abend bedeutet.

„Ünal wird es mir nicht leicht machen, er steht nicht umsonst vorne in der Weltspitze. Er wird auf jeden Fall der stärkste Gegner sein, den ich bislang hatte – aber auch ich werde bislang der stärkste Gegner für ihn sein. Deswegen wird es ein harter Kampf. Er hat Weltklasse-Power in den Händen“, so Zogaj über die kommende große Aufgabe.

Eine starke Vorbereitung soll einer der Schlüssel zum Erfolg sein

Neben der rein boxerischen Herausforderung wird der Kampf durch die Gangart von Ünal vermutlich auch enorm physisch, weshalb Zogaj auch in diesem Bereich perfekt aufgestellt sein muss. Hierfür begab er sich neben Dubai und der Türkei auch in den Bayerischen Wald zu Sepp Maurer, wo er unter anderem in eisiger Kälte bis zum Erbrechen steile Anstiege hinaufrannte.

„Ich bin schon lange im Training. Zunächst war ich in Dubai bei Andrey Cheveloff, dem Trainer des Kastriot-Sopa-Bezwingers Eugeniusz Makarczuk. Er bereitet aktuell auch Dzmitry Asanau vor. Dort bin ich gut in die Vorbereitung gestartet. Dann ging es weiter mit meinem Haupttrainer Istvan Szili in der Türkei, wo wir am Anfang sehr viel Konditionstraining gemacht haben. Anschließend ging es zu Sepp Maurer, dahin hat mich Istvan geschickt. Sepp ist nun auch neu in meinem Team als Kraft-, Ausdauer- und Athletiktrainer. Dort habe ich weiter an meiner Kraft und Ausdauer gearbeitet.“

Nun geht es in die finale Vorbereitungsphase nach Basel, wo neben vielen boxerischen Einheiten auch das Sparring erfolgt.

„Jetzt bin ich für die restliche Zeit und die Sparringphase in Basel. Es läuft alles gut und nach Plan. Wir machen sehr viel Boxerisches, damit ich mich auch technisch weiterentwickle, weil dort noch einiges herausgeholt werden muss. Ich bin noch kein fertiger Boxer, was die boxerischen Fähigkeiten angeht. Das ist aber auch gut so, weil mein Potenzial noch nicht zu 100 Prozent ausgeschöpft ist.“

Man muss bereit sein, neben dem Risiko auch ein hohes Investment zu tätigen

Eine so lange und intensive Vorbereitung kostet auch sehr viel Geld. Das ist jedoch im Hinblick auf einen großen Kampf ein notwendiges Investment, das sich hoffentlich im Kampf selbst auszahlt. Ob die Kampfbörse am Ende alle Kosten abdeckt, ist keineswegs garantiert, spielt für Zogaj jedoch keine entscheidende Rolle. Er möchte nicht am falschen Ende sparen und dadurch womöglich auf entscheidende Prozentpunkte verzichten, die am Ende den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen könnten.

„Wir haben in Deutschland Talente, daran hat es hier nie gefehlt. Wir haben auch sehr viele Boxer, aber in Deutschland wird eines falsch gemacht, das habe ich so erkannt: Man spart an den falschen Stellen. Wenn man bei der Vorbereitung spart und kein Geld in die Hand nimmt, kann man nicht international erfolgreich sein. Man muss viel Geld ausgeben für Sparringpartner, für Trainingscamps und auch mal außerhalb des Wohnorts trainieren.“

Konkrete Zahlen für eine Vorbereitung nannte Zogaj ebenfalls gegenüber Boxen1:

„Um in der Weltspitze zu boxen, muss man mindestens 20.000 bis 30.000 Euro investieren, um eine perfekte Vorbereitung zu haben. Wenn man nur 5.000 bis 10.000 Euro ausgibt, kann man nicht international erfolgreich sein. Dann fehlt einfach die Qualität. Deshalb war es mir sehr wichtig, viel Geld in die Hand zu nehmen. Das ist die Chance meines Lebens, um ganz nach oben zu kommen und zu zeigen, dass ich international gegen einen Weltklassemann gewinnen kann“, so Zogaj.

Istvan Szili kennt die Ansatzpunkte, um Ünal zu knacken

Wollen als Duo für Furore sorgen im Boxen: Altin Zogaj und sein Trainer Istvan Szili.

Neben einer perfekten und kostenintensiven Vorbereitung vertraut Zogaj auch auf seinen Headcoach Istvan Szili, der selbst ein herausragender Pressurefighter war. Man erinnere sich an seine feurige Performance im März 2022 in der Westfalenhalle in Dortmund, wo er Felix Sturm mit brutalem Druck dominierte und schlug. Auf einen ähnlich druckvollen und unangenehm zu boxenden Gegner stellt sich Zogaj nun auch mit Ünal ein – entsprechend weiß Szili genau, worauf es im Februar ankommen wird.

„Für Ünal ist Istvan der perfekte Trainer, da er vom Stil her ein sehr ähnlicher Boxer war und weiß, wie man solche Gegner knacken kann.“

Zuvor wurde Zogaj viele Jahre von Conny Mittermeier trainiert, der ebenfalls als exzellenter Coach gilt. Mit Szili arbeitet er nun seit dem vergangenen Jahr zusammen, und die Zusammenarbeit war von Beginn an sehr harmonisch und vielversprechend. Besonders auf menschlicher Ebene findet Zogaj nur lobende Worte für seinen Trainer.

„Istvan zeichnet sich als Trainer vor allem durch seine menschliche Art aus, wodurch ich ihm als Sportler blind vertrauen kann, kombiniert mit seiner beeindruckenden Amateur- und Profierfahrung“, so Zogaj über seinen Coach.

Albert Ramirez und Dzmitry Asanau boxen ebenfalls in Montreal

Fightcard von EOTT am 5. Februar in Montreal mit Mehmer Ünal und Altin Zogaj.

Der große Kampf von Altin Zogaj findet am 5. Februar im Montreal Casino in Kanada statt. Eye of the Tiger wird eine Fightcard mit sieben Kämpfen präsentieren, wobei der Hauptkampf ebenfalls im Halbschwergewicht angesetzt ist. Der gefürchtete Puncher Albert Ramirez (22–0) trifft dabei um den WBA-Interimstitel auf den Box-Mover Lerrone Richards (19–1).

Im Leichtgewicht wird zudem das ehemalige Universum-Signing Dzmitry Asanau (11–0) zu sehen sein, der seine herausragenden boxerischen Fähigkeiten um den IBF-InterConti-Titel gegen Claudio Gabriel Daneff (24–4–1) unter Beweis stellen muss. Darüber hinaus wird der kanadische Olympiamedaillengewinner von Paris, Wyatt Sanford (5–0), seinen sechsten Profikampf im Leichtgewicht absolvieren.

Die Veranstaltung wird weltweit legal über den kostenintensiven Abonnementdienst Punchinggrace übertragen.

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