Alekseev vor WM-Fight gegen Hernandez

Wir wollen siegen, der Gegner muss liegen!

Ein Bericht von Wolfgang Weggen

Eigentlich hat Cruisergewichtler Alexander Alekseev mit Gegnern aus dem Sauerland-Stall gute Erfahrungen gemacht. Mit Enad Licina, zum Beispiel. Da erteilte der 32-Jährige seinem Gegner am 24. Februar 2012 vor knapp 4000 Zuschauern in der Frankfurter Fraport-Arena eine Boxlektion, demonstrierte Faustkampf vom Allerfeinsten, punktete den starken Sauerland-Schützling nach allen Regeln der Boxkunst aus, siegte über 12 Runden haushoch nach Punkten, holte sich so den vakanten Europameistertitel im Cruisergewicht.

Der 32-Jährige damals bei der Siegesfeier: „Ich bin stolz, dass ich den Titel gewonnen habe. Ich bin wieder da, bin mental wieder erstarkt, habe Sicherheit gespürt. Ich kann noch viel mehr und das werde ich beweisen. Ja, ich werde ganz sicher auch Weltmeister“.

Wo ist/war Rechtsausleger Alekseev nach dieser Glanzvorstellung weltweit einzuordnen? ARD-Experte Henry Maske sah ihn noch nicht auf dem gleichen Level wie IBF-Weltmeister Hernandez und den geschlagenen Herausforderer Cunningham, die ihr Duell vor Alekseev – Licina bestritten. Dem widersprach ein anderer Experte ganz massiv. Peter Hanraths: „Das war für Alekseev, der seine beiden einzigen Niederlagen gegen Ramirez und Lebedev aus den Jahren 2009 und 2010 noch nicht hundertprozentig verdaut hatte, eine reine Kopfsache. Das war jetzt sein Meisterstück. Ich sehe ihn auf gleicher Höhe mit Hernandez“. Noch deutlicher, sicher aber auch etwas euphorischer, EC-Boss Erol Ceylan: „Hernandez und Cuningham haben gegen Alexander genau so viel oder genau so wenig Chancen wie Enad Licina“! Rumms, ein volles Ding!

Gegen Firat Arslan reichte es für Alekseev später bei der EM-Titelverteidigung in Stuttgart für ein Unentschieden, den Ami Darnell Wilson führte er im Februar diesen Jahres in Galati/Rumänien 12 Runden lang regelrecht vor. Und dann immer wieder das Warten auf den verletzten Hernandez…

Jetzt also ist das Warten zuende, Familienvater Alekseev will es wissen – kämpft gegen den IBF-Champion aus Kuba, der in Bamberg zum ersten Mal als Deutscher in den Ring klettert. Alexander, Vater zweier Söhne, ackert unter der Leitung von Chefcoach Fritz Sdunek und dessen Assistenten Bülent Baser und Oktay Urkal im Hamburger EC-Gym für sein großes Ziel. Der Amateur-Weltmeister von 2005: „Der WM-Titel der Profis, das ist mein Traum, und den werde ich mir am 23. November in Bamberg auch erfüllen“.

Das Duell der Rechtsausleger! Wer setzt sich durch? Ist Alekseev mental stark genug? Hält die mehrmals gebrochene Schlaghand von Titelverteidiger Hernandez, die mehrere Kampfverschiebungen erforderlich machte? Welcher Trainerfuchs hat die bessere Taktiv ausgearbeitet? Sdunek oder Wegner – auch in der Ringecke ein spannendes Duell.

Die Trainingsbedingungen – für Alekseev im Moment nicht unbedingt optimal, denn der „alte Fritz“ tanzt zurzeit auf zwei WM-Hochzeiten. In Hamburg macht er Alekseev fit für Bamberg, in Köln ackert er mit Felix Sturm für dessen Kampf gegen Weltmeister Darren Barker am 7. Dezember in Stuttgart. Wo Felix deutsche Boxgeschichte schreiben möchte, wenn er sich nämlich zum vierten Male den WM-Titel erkämpft. Wenn..

Und wie löst Sdunek das 450-Kilometer-Problem? Der Weltmeister-Macher: „Alexander und ich haben ja schon einige Wochen hier in Hamburg zusammen die Grundlagen erarbeitet. Jetzt komme ich schon Donnerstags wieder aus Köln nach Hamburg, arbeite dann übers Wochenende mit ihm. In der Zwischenzeit übernehmen Bülent und Oktay. Zu ihnen habe ich allergrößtes Vertrauen“. Und damit dem Fritz in Köln auch ja nichts entgeht, macht Erol Ceylan vom Sparring seines Schützlings immer Live-Übertragungen, damit Fritz Sdunek in Köln auch in jeder Runde dabei ist. „Wenn mir dabei etwas auffällt, greife ich sofort zum Handy“!

Fritz Sdunek ist davon überzeugt, dass sein Alexander es schafft, Weltmeister zu werden: „Er ist einfach ein Ausnahme-Athlet, ein Super-Boxer“. Und was Fritz besonders freut: Alekseev hat – wie die Klitschkos – schnell und gut die deutsche Sprache erlernt. Sdunek: „Wir beide haben ja auch von Anfang an zusammen geübt.“ Beispielsweise diesen Spruch, den Alexander besonders gut drauf hat: „Erst rechts, dann links, das bringt’s. Wir wollen siegen, der Gegner muss liegen“!

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