
Am Samstag steigt in Oberhausen der Kracher. Die Favoritenrolle ist im Vorfeld eindeutig, was sich zum Nachteil auswirken könnte.
Es sind nur noch wenige Tage bis zum großen Homecoming von Deutschlands Schwergewichtsstar Agit Kabayel (26-0). Am Samstag steigt er in der Rudolf Weber Arena in Oberhausen in den Ring, möchte dabei seinen WBC-Interimsweltmeistertitel verteidigen und seinen WM-Anspruch untermauern – live auf DAZN. Doch nicht nur er steht bei dem größten Box-Event der letzten zehn Jahre im Mittelpunkt: Es ist zugleich eine kleine Renaissance für den gesamten deutschen Boxsport, der schwere und wenig beachtete Jahre hinter sich hat.
Die Hoffnung wächst, dass das Event in Oberhausen, das übrigens von Queensberry Promotions ausgetragen wird, den Startschuss für die große Rückkehr des deutschen Boxens darstellt. Dafür muss allerdings ein Sieg des deutschen Hoffnungsträgers her. Auf dem Papier scheint es eine Pflichtaufgabe zu sein, doch genau darin könnte auch die Gefahr des Strauchelns liegen.
Agit Kabayel – vom Jäger zum Gejagten

22 February 2025
Picture By Mark Robinson Matchroom Boxing
Zhilei Zhang is dropped by a bodyshop that wins the fight for Agit Kabayel.
Ein Blick auf die Wettquoten zeigt ein klares Bild: Agit Kabayel gilt am Samstag als klarer Favorit. Zu unbekannt ist sein polnischer Herausforderer (17-0), zu überzeugend hingegen waren Kabayels letzte Auftritte in Riad. Doch im Kampfsport sind Siege niemals sicher – egal, wie eindeutig die Vorzeichen auch erscheinen mögen. Knyba durchläuft gewissermaßen genau den Weg, den Kabayel selbst zuvor gemeistert hat: Auf großer Bühne den Underdog geben.
Man darf nämlich nicht vergessen, dass Kabayel selbst mehrfach klarer Außenseiter war. Beim Riad-Debüt gegen Arslanbek Makhmudov sahen die Buchmacher seine Chancen ähnlich gering wie nun die von Knyba. Auch beim Sieg über Frank Sanchez galt der Kubaner als Favorit, gegen Zhang wurde das Duell bereits als nahezu 50:50 eingeschätzt. Respekt und Anerkennung muss man sich mit großen Siegen erarbeiten – das hat Kabayel getan, und genau das möchte nun auch Damian Knyba erreichen.
Für dieses Vorhaben könnte sogar die veränderte Ausgangslage dienlich sein. Zuvor war Kabayel stets der hungrige Underdog, der sich im Ausland beweisen musste – nun ist er der gefeierte Star und klare Favorit. Möglicherweise raubt das ein wenig die Leichtigkeit, da der Druck steigt und plötzlich viel auf dem Spiel steht. So muss es nicht kommen, doch möglich ist es durchaus.
Damian Knyba – durch lange Arme zum Erfolg?

Doch wer ist der Mann, der Kabayel dessen WM-Träume rauben möchte? Damian Knyba gewann bislang alle 17 Profikämpfe, die meisten davon in den USA. Der Pole schloss sich 2022 Top Rank an und kämpfte sich so in die erweiterte Weltspitze vor. Auf BoxRec rangiert er aktuell auf Platz 31. Besonders eindrucksvoll sind seine physischen Werte: Bei einer Körpergröße von 2,01 Metern verfügt er über eine Reichweite von 2,18 Metern – die längste aller bekannten aktiven Schwergewichte.
Entsprechend überrascht es nicht, dass Knyba seine Kämpfe bevorzugt über die Distanz aufbaut und stark mit dem langen Jab arbeitet. Er verfügt über eine gute Beinarbeit, agiert konsequent im Rückwärtsgang und kann drückende Gegner auf Abstand halten. Doch auch im Infight hat er seine Momente und punktet bei Gelegenheit mit wuchtigen Haken, wenn die Distanz einmal überbrückt wird.
Stilistisch ist das auf dem Papier kein einfacher Kampf für Kabayel, der viel arbeiten und die Distanz konsequent verkürzen muss. Das Problem für Knyba ist jedoch, dass Kabayel gerade darin seine größte Stärke besitzt: Er arbeitet sich hervorragend in die Nahdistanz vor und ist im Infight mit seinen Körpertreffern brandgefährlich. Zudem verfügt Kabayel über reichlich positive Erfahrungen gegen größere und längere Gegner und scheint sich in der Rolle des kleineren, druckvollen Boxers besonders wohlzufühlen.
Ein KO-Sieg wird vermutlich erfolgen müssen
Selbst wenn Knyba die Distanz für einige Runden aufrechterhalten kann – wie lange wird er das durchhalten? Die Kondition dürfte ohnehin eine der entscheidenden Fragen dieses Kampfes sein. Kabayel punktet sehr viel zum Körper, was dem Gegner spürbar die Luft raubt. Zwar gelten polnische Boxer als überaus zähe Knochen, und man kann sich vorstellen, dass der Hüne einiges wegstecken kann, doch wenn die Luft ausgeht und man zunehmend zermürbt wirkt, helfen reine Nehmerqualitäten allein nicht mehr weiter. Von daher ist es durchaus vorstellbar, dass Kabayel konstant Druck macht und seinen Kontrahenten spätestens in den hinteren Runden knackt.
Ein KO-Sieg wird allerdings auch für Knyba das erklärte Ziel sein, denn nach Punkten dürfte es auswärts gegen den äußerst arbeitsreichen Kabayel sehr schwer werden. Zwar ist die Distanz einer der Schlüssel im Kampf, doch die wirklich harten Momente wird Knyba vermutlich in der Nahdistanz setzen müssen. Gefordert ist eine smarte Mischung aus Clinchen und Mitschlagen, bei der er insbesondere mit wuchtigen Haken als Konter reagiert und im Idealfall Kabayel sogar zu Boden schickt. Dass dies grundsätzlich möglich ist, zeigten bereits die Kämpfe gegen Zhang und Smakici, in denen Kabayel jeweils am Boden war. Ob Knyba jedoch tatsächlich das Zeug dazu hat, den großen historischen Sieg für Polen zu erringen, wird sich zeigen.
Gute Namen auf der Undercard in Oberhausen

Auch auf der Undercard wird einiges geboten. So trifft im Co-Mainevent Granit Shala (18-1) auf Petar Milas (19-1) um den IBF-International-Titel im Schwergewicht – ein echtes 50:50-Duell, dessen Ausgang völlig offen erscheint. Im Leichtgewicht kommt es zudem zu einer weiteren WBC-Interimsweltmeisterschaft zwischen dem starken kubanischen Prospect Jadier Herrera (17-0) und dem ehemaligen WM-Contender Ricardo Núñez (26-7).
Deutschlands Olympiabronzemedaillengewinner Nelvie Tiafack (2-0) wird ebenfalls zu sehen sein, ebenso wie das britische Schwergewicht David Adeleye (14-2) und das Cruisergewicht Oronzo Birardi (9-1).
Auch ein Blick auf die kostenlosen Prelims lohnt sich ab 16 Uhr auf YouTube. Dort sind bis zu vier Kämpfe geplant, darunter das äußerst sehenswerte Schwergewichtsduell zwischen Daniel Dietz (15-1) und Seun Salami (9-0), das durchaus auch auf die Maincard gepasst hätte. Mit Gleb Bakshi (6-0) wird zudem ein Amateurweltmeister seinen WBA-Intercontinental-Titel verteidigen – und vieles mehr.
Sonderangebot auf DAZN | wenige Tickets auf Eventim noch verfügbar
Grundsätzlich galt die Veranstaltung bereits nach wenigen Tagen als restlos ausverkauft, doch durch eine Kämpferabsage wurden einige wenige Tickets wieder freigegeben. Somit besteht tatsächlich noch die Möglichkeit, die letzten verfügbaren Karten über Eventim zu erwerben und live in der Rudolf Weber Arena in Oberhausen dabei zu sein.
Wer es nicht vor Ort schafft, kann das Event live auf DAZN verfolgen. Passend zur Kampfwoche des Duells Kabayel vs. Knyba bietet DAZN ein Sonderangebot an: Das SuperSport-Paket ist für 10 € statt 25 € erhältlich. In Kombination mit dem zusätzlichen PPV für 10 € belaufen sich die Gesamtkosten somit auf 20 € für das Event. Zudem sei erwähnt, dass in den kommenden Wochen zahlreiche weitere hochklassige Boxkämpfe auf DAZN übertragen werden.
Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr, die PPV-Maincard ist ab 18:45 Uhr vorhergesehen.














