Agit Kabayel: „Leber King“, Hoffnungsträger, kommender Weltmeister?

Foto: Felix Leichum/DAZN

Vom Sparringspartner zum Interims-Champion: Agit Kabayel überzeugt nicht nur im Ring, sondern gewinnt zunehmend auch die Anerkennung der ganz Großen. In der noch recht neuen DAZN-Dokumentation kommen prominente Stimmen zu Wort und zeichnen ein klares Bild vom aktuell wohl wichtigsten deutschen Schwergewichtler.

Experten sehen Kabayel längst in der Weltspitze

Wenn sich frühere Weltmeister, Box-Ikonen und aktive Superstars einig sind, dann ist das im Boxsport selten. Bei Agit Kabayel scheint genau das der Fall zu sein. In Interviews im Rahmen der DAZN-Dokumentation „Agit Kabayel – Unser Weltmeister“ (Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=Yc9lMWMJqy0, Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=Uq2JOeV0MZc) attestieren ihm gleich mehrere hochkarätige Experten internationale Klasse und noch deutliches Entwicklungspotenzial.

Henry Maske: „In der Weltspitze ist er auf jeden Fall angekommen.“

Henry Maske bringt es nüchtern auf den Punkt: „In der Weltspitze ist er auf jeden Fall angekommen. Die besteht nicht aus ein, zwei oder drei Boxern – auch nicht in einer Gewichtsklasse. Da gibt es schon noch ein paar mehr. Aber Agit ist in dieser Qualität, in diesem Anspruch definitiv angekommen.“

Maske betont dabei besonders die Rolle des Trainers und die enge, fordernde Beziehung im Team. Eine Konstellation, die er aus eigener Karriere nur zu gut kennt und als entscheidend für den letzten Schritt zur Weltmeisterschaft bezeichnet.

Axel Schulz: „Ein heißes Eisen für Deutschland“

Auch Axel Schulz sieht Kabayel in einer historischen Linie. Für ihn ist der Bochumer der erste deutsche Schwergewichtler seit Jahrzehnten, dem er zutraut, in die Fußstapfen von Max Schmeling zu treten.

„Mit Agit haben wir wieder ein heißes Feuer im Eisen“, so Schulz, der vor allem Kabayels Oldschool-Stil mit systematischen Körpertreffern hervorhebt. Statt auf den schnellen KO zu gehen, zermürbt Kabayel seine Gegner – Geduld, Wille und Schlaghärte inklusive. Eigenschaften, die Schulz selbst so nicht in dieser Form besessen habe.

Regina Halmich sieht Parallelen zur goldenen Ära

Regina Halmich geht noch einen Schritt weiter. Sie sieht in Kabayel nicht nur einen sportlichen Hoffnungsträger, sondern eine Figur, die dem deutschen Boxsport wieder Strahlkraft verleihen kann. Zwar fehle noch der WM-Gürtel, doch Disziplin, Auftreten und internationale Anerkennung seien bereits da. Besonders betont Halmich Kabayels Fähigkeit, mit Druck umzugehen – ein klares Merkmal von Weltklasse-Boxern. Der bevorstehende „Homecoming“-Kampf in Deutschland könne ein emotionaler Wendepunkt werden, ein echter „Hexenkessel“, der zusätzliche Energie freisetzt.

Tyson Fury: „Die Welt hat erst zehn Prozent von ihm gesehen“

Foto: Facebook Seite Agit Kabayel

Am deutlichsten wird vielleicht Tyson Fury. Der zweifache Schwergewichts-Weltmeister kennt Kabayel seit gemeinsamen Sparrings in den Niederlanden und England. Fury bezeichnet den Deutschen als lange unterschätzt und erinnert daran, dass Kabayel trotz EM-Titel und Top-Rank-Vertrag jahrelang kaum Chancen bekam.

„Die Boxwelt hat erst einen kleinen Teil von dem gesehen, was er wirklich kann“, sagt Fury und lobt neben der Körperarbeit auch Jab, Beinarbeit und boxerische Intelligenz. Der Kampf am Samstag in der Rudolf Weber Arena in Oberhausen sei für ihn Kabayels „Coming-out-Party“ – sportlich wie medial. Gleichzeitig mahnt Fury: Weltmeister wird man heute nicht nur mit Fäusten, sondern auch mit Reichweite und Vermarktung.

Kabayel und Aksu: Vertrauen als Erfolgsfaktor

Im Zentrum steht dabei stets die Achse Kabayel–Trainer Sükrü Aksu. Aksu beschreibt seinen Schützling als Arbeiter, der sich alles erkämpft hat. „Er geht da rein, wo es wehtut“, sagt der Coach rückblickend und erklärt, wie aus jahrelanger Detailarbeit Kabayels Markenzeichen entstand: der Leberhaken.

Kabayel selbst betont immer wieder das blinde Vertrauen: „Trainer, ich höre nur deine Stimme, sonst keine.“ Eine Seltenheit im Schwergewicht und vielleicht der entscheidende Unterschied auf dem Weg ganz nach oben.

Ob Maske, Schulz, Halmich oder Fury – sie alle sehen in Agit Kabayel mehr als nur einen starken Interims-Champion. Die Einschätzungen deuten klar in eine Richtung: Deutschland hat im Schwergewicht wieder einen Boxer, der sportlich und mental bereit ist, Geschichte zu schreiben. Ob daraus am Ende tatsächlich der erste WM-Titel seit Max Schmeling wird, entscheidet sich im Ring. Die Voraussetzungen dafür scheinen jedenfalls besser denn je.

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