Abass Baraou gewinnt nach Punkten gegen Giovani Santillan

Foto: Jason Robles

In einem taktisch unangenehmen Kampf setzt sich der deutsche Ex-Weltmeister verdient nach Punkten durch.

Am Freitag fand das nächste ProBox-Event statt. In der Frontwave Arena in Oceanside, Kalifornien, gab es sogar einen signifikanten Hauptkampf mit deutscher Beteiligung zu sehen. Dort traf Giovani Santillan (35-2) auf Deutschlands Ex-Weltmeister Abass Baraou (18-2). Gekämpft wurde um den WBO-Intercontinental-Titel im Superweltergewicht.

Baraou überzeugte in den USA und schloss sich jüngst Top Rank an

Baraou, der lange Jahre bei Sauerland Events und später Wasserman Boxing in Deutschland unter Vertrag stand, konnte sich zuletzt in England und den USA einen gefeierten Namen machen. So gewann er nach der EBU-Europameisterschaft in Telford im vergangenen Jahr auch den WBA-Interimstitel in Orlando gegen den zuvor ungeschlagenen Kubaner Yoenis Tellez. Nach dem Aufstieg von Terence Crawford ins Supermittelgewicht wurde Baraou wenig später zum vollwertigen Weltmeister aufgestuft.

Eine handverlesene Titelverteidigung sollte es dabei aber nicht geben, denn Baraou stellte sich wenig später, im Januar, schon in einem großen Titelvereinigungskampf WBO-Weltmeister Xander Zayas in Puerto Rico. Baraou lieferte einen starken Kampf, verlor schließlich jedoch nach geteiltem Punktentscheid.

Dennoch konnte sich der Oberhausener insbesondere in Übersee einen herausragenden Ruf erkämpfen. Dies führte schließlich zu einem Vertrag bei Promoterlegende Bob Arum und Top Rank. Im ersten Kampf seit Bestehen des Arbeitsverhältnisses sollte sich Baraou gegen seinen Stallgefährten Giovani Santillan messen. Beide Boxer träumen von einer baldigen WM-Chance, doch nur für den Gewinner bietet sich diese weiterhin.

Taktischer Beginn statt großer Offensive

Da Santillan ebenfalls als guter Techniker galt, der gerne offensiv am Mann arbeitet, erwartete man stilistisch einen äußerst zuschauerfreundlichen und unterhaltsamen Hauptkampf. Oceanside bekam jedoch zunächst einen taktisch geprägten Kampf zu sehen, in dem nur leichte Nuancen den Unterschied ausmachten.

Santillan war von Beginn an bedacht, dem Druck von Baraou auszuweichen. Er bewegte sich viel im Rückwärtsgang und clinchte beständig, wenn Baraou die Distanz überbrückte. Dadurch konnte der Oberhausener nur selten durchgehenden Druck erzeugen und nachsetzen. Dennoch gehörten die Runden mehrheitlich Baraou, der häufig ein Finish lieferte und auch die Ringmitte einnahm.

Zum negativ eingestellten Gegner äußerte sich Baraou gegenüber Boxen1 wie folgt:
„Ich hatte seit den ersten Runden das Gefühl, dass er nicht wirklich gekommen ist, um zu gewinnen. Und alle Kampfunterbrechungen oder das Wegrennen haben die Freude aus dem Kampf genommen.“

Verdienter Sieg bei knappem Punktentscheid

Ab der vierten Runde gewann der Kampf an Intensität. Santillan ging zwischenzeitlich nach vorne und drückte Baraou an die Seile, es blieben aber nur seltene Vorstöße des lokalen Kämpfers. Stattdessen wies der Oberhausener ein höheres Schlagvolumen auf und versuchte, Kombinationen zu schlagen, wenn er einmal nicht geclincht wurde. Die sechste Runde war dann eine der besten von Baraou, der mehrfach hart mit seinen Haken durchkam.

Dennoch musste man Santillan attestieren, dass er sich gut geschlossen hielt und auch im Schlagabtausch seine explosiven Momente hatte, wenngleich er weniger schlug. So lieferte er beispielsweise eine gute achte Runde ab, wobei er klar nach Punkten zurückliegen sollte. Baraou wollte in der Schlussphase des Titelkampfes dann noch einmal richtig aufdrehen und forderte Santillan auf, sich mit ihm in der Ringmitte zu stellen. Doch selbst dieser energische Vorstoß half nichts: Santillan verblieb überwiegend passiv im Rückwärtsgang und suchte keinen K. o. mehr.

Am Ende rissen beide Boxer nach dem Schlussgong ihre Arme hoch und ließen sich feiern. Aus deutscher Perspektive eine schon fast komödiantische Szenerie, hatte Santillan im Kampf selbst doch nur wenig investiert und mit dem vielen Clinchen den gesamten Kampf eher zerstört. Würde dies am Ende dennoch ausreichen? Man staunte nicht schlecht, als die erste Scorecard mit 95:95 verkündet wurde. Auch die restlichen beiden Wertungen blieben mit 96:94 und 97:93 eng, wobei schließlich mit Baraou der richtige Sieger per Mehrheitsentscheidung verkündet wurde.

„Ich war klar davon überzeugt, dass ich gewonnen hatte. Alles andere als ein Sieg wäre unvorstellbar gewesen“, sagte Baraou im Nachgang gegenüber Boxen1 über das Urteil.

Die vollständige Veranstaltung ist in der ProBox-Kanalmitgliedschaft auf YouTube für 5 € zu sehen.

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