Abass Baraou bald neuer WBA-Weltmeister. Kampf gegen Charlo?

Abass Baraou beim großen Triumph in Orlando.
Foto: Damon Gonzalez

Nach dem großen Sieg kündigt der WBA-Präsident an, dass Baraou WBA-Weltmeister wird – und gegen Jermell Charlo kämpfen soll.

Deutschland hat endlich wieder einen Boxweltmeister! Zwar ist Abass Baraou (17-1) derzeit noch „nur“ Interimsweltmeister der WBA, doch schon in wenigen Wochen könnte sich das ändern. WBA-Präsident Gilberto Mendoza Jr. kündigte an, dass dem aktuellen WBA-Weltmeister im Superweltergewicht, Terence Crawford (41-0), der Titel aberkannt wird, sobald er am 13. September im Supermittelgewicht gegen Saul „Canelo“ Alvarez (63-2-2) antritt. Damit dürfte es nur noch eine Frage von Tagen sein, bis Baraou offiziell als WBA-Weltmeister geführt wird.

Historischer Erfolg auch für Deutschland

Die goldenen Zeiten des deutschen Boxsports sind lange vorbei – und die Zahl der Weltmeister ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt sogar: Im Superweltergewicht war der letzte deutsche Weltmeister der Wahlhamburger Eckhard Dagge (26-5-1). Er gewann den Titel im Juni 1976, verteidigte ihn zweimal erfolgreich, ehe er ihn im August 1977 verlor. Beinahe 50 Jahre liegt dieser Erfolg also zurück – Dagge selbst verstarb 2006.

„Mir war von Anfang an klar, dass der Titel mit mir zurück nach Deutschland kommt“

Abass Baraou trifft Yoenis Tellez.
Foto: Damon Gonzalez

Umso erfreulicher, dass Baraou am Samstag in Orlando diese Lücke schließen konnte. Nach 12 harten Runden bezwang er den zuvor ungeschlagenen Kubaner Yoenis Tellez (10-1) verdient. Im Gespräch mit Boxen1 schilderte er seine Eindrücke vom Triumph:

„Es hat einfach Spaß gemacht, wieder im Ring zu stehen. Der letzte Kampf ist etwas her, und ich habe gemerkt, wie sehr ich es vermisst habe, einfach mal zu boxen. Es war ein klasse Kampf – der Gegner war stark und wollte es wissen.“

Besonders positiv bewertete er, dass er im Ring das Gelernte umsetzen konnte:
„Ich habe alles, was wir im Training wiederholt hatten, umgesetzt und meine Ruhe bewahrt.“

Am Sieg habe er nie gezweifelt:
„Es ist ein großer Titel in der Sammlung, aber noch wichtiger war es, mich der Welt zu präsentieren. Mir war von Anfang an klar, dass der Titel mit mir zurück nach Deutschland kommt – egal, ob der Kampf in Orlando oder sonst wo stattfindet. Ich bin froh, dass alles so geklappt hat.“

WBA-Präsident kündigt Kampf gegen Charlo an

Jermell Charlo.

Nach Angaben des Journalisten Dan Rafael erklärte WBA-Präsident Gilberto Mendoza Jr., dass Baraou nicht nur offiziell zum Weltmeister ernannt wird, sondern auch direkt eine Titelverteidigung gegen Jermell Charlo (35-2-1) bestreiten soll. Charlo war im Mai 2022 mit einem Sieg über Brian Carlos Castano (17-1-2) Undisputed-Champion im Superweltergewicht geworden, versuchte anschließend sein Glück gegen Canelo im Supermittelgewicht – und verlor klar. Seitdem ist er fast zwei Jahre inaktiv.

Ein Duell mit Charlo wäre für Baraou sportlich wie finanziell ein hochinteressanter Kampf. Die lange Pause dürfte Charlo geschwächt haben, sodass für Baraou eine realistische Chance bestünde. Sollte er diesen Kampf gewinnen, stünden ihm alle Türen offen: ein großes Heimspiel in Deutschland oder gar ein Vereinigungskampf um weitere WM-Titel. Möglich wäre auch eine Verteidigung gegen Jaron Ennis (34-0), der im Oktober einen WBA-Eliminator gegen Uisma Lima (14-1) bestreitet.

Baraou befindet sich in seiner Prime – und nun stehen die größten Kämpfe seiner Karriere bevor. Spannend wird zudem, ob sich neue Promoter um den Oberhausener bemühen. Jake Paul, dessen Promotion das Event in Orlando veranstaltete, zeigte sich jedenfalls beeindruckt: Für den starken Auftritt erhielt Baraou einen Bonus von 20.000 US-Dollar. Gut möglich, dass Paul ihn auch langfristig auf seinen Shows präsentieren möchte.

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2 Kommentare

  1. abass baraou ist nicht nur ein großartiger boxer, sondern auch ein angenehmer mensch.
    das war er schon als er in berlin als „amateur“ gezeigt hatte, was er konnte.
    sein damaliger basistrainer war obendrein auch exzellent.

  2. Dem ist nichts hinzu zu fügen. Ein Spitzenamateur Boxer, dem das Erlernte und sein ausgewöhnliches Talent hin zum offiziellen Weltmeister führt. War vor 7 Jahren in Menden beim Boxevent unser Ehrengast im 1. Profijahr. Erstaunlich, wie Abass die Ringpausen im Stehen, fast ohne Regung, zur Erholung nutzt und unglaubliche Reserven zum Kampfende frei setzt.

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